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hair saloonLiebe ist eine zeitlose Macht, die einen glücklich oder unglücklich machen kann. Auf jeden Fall ist Liebe voller Spannung, wirbelt das Leben durcheinander und vollbringt Unerwartetes. So erleben es auch meine Protagonisten ...

Sklavin des Wolfes

Da ich normalerweise keine Fantasy-Romane schreibe,
wählte ich für diesen SM-Roman über einen Gestaltwandler ein eigenes Pseudonym: 

Louise Laurent

Sklavin des Wolfes

Druckereibesitzer Wolfram Tiete, genannt Wolf, macht der hübschen Papiervertreterin Mia Berger schon seit einiger Zeit den Hof. Cover Sklavin des WolfesDoch sie hat sich in den Kopf gesetzt, Geschäftliches und Privates nicht miteinander zu vermischen. Dabei ist Wolf ein attraktiver Mann mit guten Umgangsformen, bei dem sie jedes Mal ein intensives sexuelles Verlangen spürt.
Wenn Wolf sich etwas in den Kopf gesetzt hat, bekommt er es auch. Als Mia unnachgiebig bleibt, stellt er ihr eine raffinierte Falle. Es bleibt ihr nichts anderes übrig, als drei amourösen Wochenenden zuzustimmen, die sich wesentlich angenehmer und interessanter entwickeln als befürchtet. Sie verliert endgültig ihr Herz an den dominanten, leidenschaftlichen Mann.
Doch zugleich verstärkt sich ihr Verdacht, dass ihren Liebhaber ein düsteres Geheimnis umgibt. Und eine Macke scheint er auch zu haben, denn manchmal knurrt er beim Sex fast so wild wie ein echter Wolf ... 

erschienen im Sieben-Verlag
Klappenbroschur (etwas größeres TB-Format), ISBN 78-3-94023-572-5, 2009
Kindle Ebook, 2012

Siehe Rezension Schlagzeilen-Magazin

Leseprobe

Das lindgrün gestrichene Gebäude kam in Sicht. Langgestreckt, fast fensterlos, mit einem Flachdach. Ein schmuckloser Zweckbau aus Betonfertigteilen. Er lag im Industriegebiet Kölns, nahe der Ausfahrt der Bundesstraße. Noch ein paar Minuten, dann würde sie zum dritten Mal in diesem Monat Wolfram Tiete gegenüber stehen.
Das Tagespensum war geschafft. Sie war mit ihrer Leistung zufrieden. Eine der Großdruckereien hatte sich von der neuen Papiersorte überzeugen lassen und von den Agenturen, die sie heute besucht hatte, erhoffte sie sich auch noch einige lukrative Aufträge.
Noch ein allerletzter Termin, dann hatte sie für heute alles geschafft. Aber leider war dies auch der unangenehmste. Was er sich wohl ausgedacht hatte, um sie zu sich zu bestellen? Es war nicht nur diese arrogante Art, die er an den Tag legte, dieses Rechthaberische, Allwissende, dieses überlegene Lächeln, das um seine Mundwinkel zuckte und sie verunsicherte. Es musste noch einen anderen Grund geben, warum sie ambivalente Gefühle empfand, wenn sie ihm begegnete. Es gab ab und zu Leute, die ihr mit Überheblichkeit gegenüber traten. Vermutlich weil sie glaubten, sie hätte als Frau zu wenig Ahnung. Meistens nahm sie ihnen in kurzer Zeit durch Beweisen ihrer Fachkompetenz den Wind aus den Segeln und sie wurden freundlicher und umgänglicher.
Aber nicht Wolfram Tiete. Bei ihm war alles anders. Immer wieder gelang es ihm, sie aus dem Konzept zu bringen. Aber es war nicht das Fachliche. Mia erinnerte sich nicht, wann er ihr eine Schwäche ihrer Kompetenz bewiesen hätte. Es geschah einfach während ihrer Unterhaltung. Er schmeichelte ihr, hörte ihr aufmerksam zu, doch dann baute er in der nächsten Sekunde irgendeine, wenn auch kleine Unsicherheit auf, und genau dafür hasste sie ihn, weil es so unkalkulierbar und schwer zu greifen war.
Das war nicht immer so gewesen. Sie war ein Mal, höchstens zwei Mal im Monat bei ihm vorbei gefahren. Mehr war nicht nötig. Er bestellte genug im Voraus, um seine auflagenstarken und zum Teil exquisiten Aufträge jederzeit zu bewältigen. Wenn Mia kam, legte er Wert auf ein bisschen Smalltalk. Das hatte sie bald herausgefunden und es war auch in Ordnung. Es war Teil ihrer Arbeit, auf jeden Kunden einzugehen. Vor allem bei solchen Großbestellern wie Tiete. Aber er war eben anders und ein wenig schwierig.
Tiete bevorzugte Termine gegen Abend, wenn die Hektik im Betrieb nachließ. Daher legte Mia ihre Route so, dass sie zu ihm als letztem Kunden fuhr. Zu Anfang hatte sie sich gefragt, ob dieser Mann kein Familienleben hatte. Die Gespräche dauerten mitunter lang. Sie unterhielten sich auch über andere als geschäftliche Dinge, kamen vom Hundertsten ins Tausendste. Er war höflich und gab ihr immerhin das Gefühl, dass ihn ihre Meinung interessierte. Sie bemühte sich, über seine überlegene Haltung und seinen intensiven Blick, der sie bis in die letzte Faser ihres Körpers vibrieren ließ, hinweg zu sehen. Niemand wartete zu Hause auf sie. Es spielte daher keine Rolle, wann sie diesen Termin beendete. In manchen Wochen war er der einzige Mensch, mit dem sie ein längeres Gespräch führte. Ohne ihn wäre ihre Welt ein kleines Stückchen ärmer. Inzwischen hatte sie auch herausgefunden, dass Tiete allein lebte. Das war das größte Rätsel. Dieser attraktive Mann hatte doch bestimmt kein Problem damit, eine Frau zu verführen? Was war mit ihm los?

Alles war in Ordnung bis zu dem Tag, an dem Tiete sie zum Essen einlud. Mia erinnerte sich nicht mehr genau, warum sie ablehnte. Sie hatte schon die ganze Zeit das Gefühl gehabt, als wolle er eigentlich über etwas ganz anderes sprechen, nichts bestellen, sondern hätte sie aus einem anderen Grund zu sich gebeten.
Hatte er vielleicht schon seit längerem Signale ausgesandt, die sie nicht richtig gedeutet hatte? War ihre Ablehnung eine spontane Reaktion, weil sie Angst davor hatte, Geschäftliches mit möglicherweise Privatem zu verbinden? Die gemeinsamen Gespräche waren zu einem Ritual geworden, sodass es ihr offensichtlich entgangen war, dass mehr dahinter stecken könnte. Oder hatte sie Angst davor gehabt, mit diesem Mann, der eine dominante Ausstrahlung an den Tag legte, einen ganzen Abend zu verbringen? Nicht in seinem Büro, das ihr wie neutraler Boden erschien, sondern in einem Restaurant – und dann?
Sie wusste es nicht. Ihr Nein kam so spontan, dass sie darüber selbst erschrak. Im gleichen Augenblick tat es ihr leid. Er versuchte vor ihr zu verbergen, wie gekränkt er war. Aber es gelang ihm nicht. Sein Lächeln war eingefroren und er, der sonst sehr redegewandt und selbstsicher war, tat sich mit einem Mal schwer, das Gespräch in andere Bahnen zu lenken.
Irgendetwas änderte sich in ihrem Umgang miteinander. Zuerst unauffällig, schleichend. Beim nächsten Mal war Tiete freundlich wie immer. Sie wickelten das Geschäftliche ab, unterhielten sich noch ein bisschen. Manchmal hatte Mia den Eindruck, er musterte sie nachdenklicher, aber sie war sich fast sicher, dass sie sich das nur einbildete und bemühte sich, sich auf ihre Aufgabe zu konzentrieren.
Doch es blieb nicht bei der einen Einladung. Es war deshalb inzwischen ein eher ungutes Gefühl, ein Drücken in der Magengegend, wenn Mia daran dachte, dass er für einen bestimmten Tag auf ihrer Liste stand. Sie wünschte, sie hätte ihn nicht so undiplomatisch und spontan abgewiesen, denn obwohl er bestimmend auftrat, gefiel er ihr auch. Sie mochte Männer, die sich intelligent und selbstsicher gaben, anders als ihre Studienkollegen, die sie als zu unreif und jungenhaft empfunden hatte. Nun saß sie jedoch in der Zwickmühle. Es fiel ihr grundsätzlich schwer, von einem eingeschlagenen Kurs wieder abzuweichen, selbst wenn sie einsah, dass dieser falsch war.
Wolfram Tiete wiederholte seinen Wunsch, sie möge mit ihm ausgehen und je öfter Mia ihm einen Korb gab, unter wechselndem Vorwand, desto dominanter wurde er. Aber im Gegensatz zum ersten Mal reagierte er auf ihre Absage gelassen. Sie verstand nicht, was er bezweckte, ob er ein Spiel mit ihr spielte und sie zermürben wollte. Er lächelte, aber es war kein natürliches Lächeln, eher ein aufgesetztes, bedrohliches. Als wollte er damit ausdrücken: Dann eben beim nächsten Mal, ich krieg dich noch.
Mia wusste, sie betrog sich selbst, wenn sie nach Argumenten suchte, warum sie nicht mit ihm essen gehen wollte. Er würde sie bestimmt auch heute wieder fragen und wie immer würde sie mit Nein antworten. Aber warum eigentlich?
Allein schon dieser Name. Wolfram. Igitt. Zwar gab es den nur auf seinen Geschäftsdrucksachen und allem anderen, was offiziell war. Gerufen wurde er Wolf, das wusste sie inzwischen. Aber war das viel besser?
Bleib auf dem Teppich. Du willst doch wohl nicht ungerecht sein, rief sie sich zur Ordnung. Schließlich konnte er nichts dafür, dass ihm seine Eltern diesen bescheuerten Vornamen gegeben hatten.

Mia kicherte leise. Ihr Gerechtigkeitssinn würde sie eines Tages noch umbringen. Doch dann dachte sie wieder verärgert, dass sie heute eigentlich früher nach Hause wollte und er ihr einen Strich durch ihre Pläne machte. Natürlich hätte sie ablehnen können, sie schaffe es nicht, ihr Terminplan sei voll. Aber sie musste eine Liste über alle Geschäftstermine führen und die Sorge, Tiete könne bei ihrem Chef anrufen und ihre Lüge könne auffliegen, war größer.
Sie hatte lange darüber nachgedacht, warum er nicht aufgab. Es musste ihn doch langweilen oder kränken. Ging es darum, wer als Erster von diesem miesen Spiel zu genervt war, um weiterzumachen?
Nein. Tiete war ein erfolgreicher Geschäftsmann, ein Stratege und ein Gewinner. Er wollte es wohl nicht hinnehmen, gegen einen starken Gegner zu verlieren. Sie war stark! Sie würde nicht nachgeben. Obwohl – es war da schon ein Kribbeln, wenn er sie durchdringend anschaute, was ihr ihre Entscheidung nicht leicht machte. Er war attraktiv. Sportlich und muskulös. Fast einen Kopf größer als Mia, ungefähr einsneunzig. Mit schwarzem Haar, das von ersten silbernen Strähnchen über den Ohren durchzogen wurde. Ungefähr Mitte bis Ende dreißig, also ein Mann im besten Alter. Willensstark, intelligent, erfolgreich. Dunkle Augen, die ihrem Blick niemals auswichen, ein energisches Kinn, selbstbewusste Haltung. Mia hatte manchmal das Gefühl, seine männliche Aura geradezu zu riechen. Bei einem Stier hätte man wohl von der personifizierten Potenz gesprochen.
Wolfram Tiete. Wolfram. Wolf. War er ein Wolf im Schafspelz? Was würde er sich einfallen lassen, um sein Ziel zu erreichen? Sie musste auf der Hut sein.

© Sira Rabe