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hair saloonLiebe ist eine zeitlose Macht, die einen glücklich oder unglücklich machen kann. Auf jeden Fall ist Liebe voller Spannung, wirbelt das Leben durcheinander und vollbringt Unerwartetes. So erleben es auch meine Protagonisten ...

Begierde

Lilly Grünberg

Begierde

Vicky und Marc sind Stiefgeschwister, doch die Vertrautheit ihrer Jugend zerbricht aufgrund eines Missverständnisses. Erst Jahre später, anlässlich der Testamentseröffnung der Eltern, sehen die beiden sich wieder. Für Vicky war ihr Stiefbruder immer die große Liebe, während Marcs Gefühle für Vicky zwischen Hass und Begierde schwanken. Marc lässt Vicky entführen und in ein elegantes Institut bringen, in dem devote Frauen zu perfekten Lustsklavinnen ausgebildet werden! Vickys Fluchtversuche bleiben erfolglos und ziehen Bestrafungen nach sich. Regelmäßig erhält Vicky Besuch von einem geheimnisvollen Maskierten, der ihr als künftiger Meister vorgestellt wird. Sie sträubt sich gegen die Erziehungsmaßnahmen des Unbekannten, doch mit jedem Treffen bricht ihr Widerstand ein Stückchen mehr zusammen. Vicky giert nach einer Befriedigung, die ihr nur der Maskierte schenken kann ...

Begierde

ISBN 978-3-93828-161-1, Plaisir d'Amour Verlag, Dez. 2009 – vergriffen

ISBN 978-3-94260-242-6, Elysion Books, Sept. 2013 – Neuauflage; dann auch als eBook

 

Leseprobe

Marc konnte sich kaum entsinnen, welchen Weg er durch die Straßen genommen hatte. Er war viel zu aufgewühlt und blind vor Wut, um bewusst eine bestimmte Richtung einzuschlagen, doch plötzlich stand er vor dem richtigen Haus. Ungeduldig fischte er seinen Hausschlüssel aus der Innentasche seines Jacketts und riss sich im Fahrstuhl die Krawatte herunter.
Er zwang sich dazu, die Jacke ordentlich auf einen Bügel zu hängen, obwohl er am liebsten einfach alles von sich geworfen hätte. Aber er wusste, dass er sich am Morgen zusätzlich ärgern würde, wenn alles unordentlich aussah. Zuletzt nahm er das Mobiltelefon aus der Jackentasche, schaltete es ein und legte es auf den Nachttisch.
Er zog sich aus, suchte im Badezimmerschrank erfolglos nach einer Kopfschmerztablette und stellte sich unter die Dusche. Das Wasser schoss in kaltem Strahl auf ihn herab, bis er es nicht mehr ertrug. Er brauste sich warm ab, dann setzte er sich im Pyjama vor den Fernseher. Was er jetzt brauchte, war Ablenkung.
Vickys Bild schien vor seinem inneren Auge wie eingebrannt. Ihre vollen nackten Brüste, ihre prallen Brustwarzen, der enge Stoff um ihre Taille, ihre langen schlanken Beine … es war wie eine Erlösung, als auf einmal das Handy klingelte.
»Ja?«
»Na endlich nimmst du mal ab, Marco – natürlich wollten sie mir am Telefon nicht allzu viel sagen, aber ich habe gleich heute einen Termin erhalten und bin hingefahren.«
»Wovon sprichst du, Antonio? Weißt du eigentlich, wie spät es ist?«

Antonio überging Marcs vorwurfsvollen Unterton. »Na – das Heiratsinstitut. Ich habe dort angerufen, nachdem du den Verdacht geäußert hast, sie könnten illegalen Mädchenhandel mit Asiatinnen betreiben. Aber es ist alles in Ordnung. Stell dir vor …«
Die neuesten Informationen sprudelten in einem ungebremsten Wortschwall aus Antonio heraus und mit jedem Satz wurde Marc hellhöriger. Dieses Heiratsinstitut war in der Tat anders als alle anderen, mit äußerst interessanten Aspekten. Etwas völlig Neues, Ungewohntes, und auf einmal reifte in Marc eine Idee.
Das war es! Jetzt wusste er, was er zu tun hatte.
Er würde Vicky auf den rechten Weg bringen und ihr den Ehemann verschaffen, bei dem sie zu ihrem Wort stehen, sittsam und treu sein musste.
Er würde ihrem liederlichen Treiben ein jähes Ende bereiten.
Ein zynisches Lächeln spielte um seine Lippen und er fühlte sich mit einem Schlag besser und ruhiger. Seine Kopfschmerzen waren wie weggeblasen.
Vicky brauchte eine gehörige Portion Erziehung, damit sie ihrem Künftigen nicht auf der Nase herumtanzte, und er wusste jetzt, wo sie die erhalten würde. Sie würde ihren bisherigen Lebenswandel noch bereuen!
»Das sind hervorragende Nachrichten, mein Freund. Morgen, Antonio, ich komme morgen nach Hause«, war seine Antwort auf Antonios abschließende Frage, ehe er auflegte.

Der Abend war amüsant gewesen, ganz nach Vickys Geschmack. Marc hatte sie nicht wiedergesehen, obwohl sie sich nach ihrer Begegnung vor einer Woche instinktiv immer wieder umgeschaut hatte, ob er sie noch mal heimlich observierte. Sie hatte amüsiert seinen plötzlichen Abgang in der Disco zur Kenntnis genommen und ging erleichtert davon aus, dass er abgereist war. Es war unvorstellbar, wie nahe sie sich einmal gestanden hatten. Jetzt war es ihr lieber, er war fort, weit fort. Für immer und ewig fort aus ihrem Leben. Sie musste ihn endlich vergessen.
Ihre augenblickliche Arbeitslosigkeit gab Vicky mehr Zeit als sonst, die nächtlichen Ausflüge auszudehnen und zu genießen. Schließlich musste sie nicht früh aufstehen, sondern durfte solange schlafen, wie sie wollte. Sie hatte ein paar Absagen erhalten, die sie aber gelassen hinnahm, da weitere Bewerbungen unterwegs waren und die Aussicht bestand, zum nächsten Ersten bei einer Airline als Stewardess engagiert zu werden. Sicher war es zwar noch nicht, aber ihr ungebrochener Optimismus hatte sich bislang immer bestätigt.
Sie genoss den ausgedehnten Schönheitsschlaf, ein ausgiebiges Bad, das Eincremen und Pflegen ihres Körpers, ihre Nägel zu maniküren und in den Tag hinein zu träumen. Jedenfalls galt es, die freie Zeit bis dahin zu nutzen, hauptsächlich damit, des Abends Männer zu verführen und zu demütigen. Wie eingebildet sie doch waren. Sobald eine hübsche Frau auf ihre Flirtversuche einging, glaubten sie, sie würden von ihr angehimmelt und wären die Götter auf Erden. Vickys Mund nahm einen verächtlichen Zug an. Sie zeigte ihnen, dass sie allesamt Trottel waren.
Auf das abrupte Ende dieses Abends war sie jedoch nicht gefasst. Niemals hätte sie geglaubt, dass die Nacht und ihre Spielerei für sie Gefahren bergen könnten. Bis zu diesem Moment fühlte sie sich so verdammt sicher.


Die Demütigung begann bereits kurz nach Vickys Ankunft. Mehr als einmal hatte sie das Gefühl, ihr Herz müsse jeden Moment vor Angst und Schamgefühl aussetzen und sie ohnmächtig zu Boden sinken lassen. Aber diese Gnade wurde ihr nicht gewährt. Ihr Kreislauf war viel zu stabil, um zusammenzubrechen.
Sie war das Opfer einer Entführung geworden. Es musste sich um eine Verwechslung handeln, was sonst. Etwas anderes gestattete ihre Vorstellungskraft nicht. Zwar meldeten die Medien immer wieder einmal Entführungsfälle. Junge, unmündige Mädchen wurden verschleppt und sie gestattete sich nicht, sich auszumalen, was mit den armen Geschöpfen geschehen mochte. Sicher fristeten sie ihr Leben in einem Bordell, wurden ins Ausland verschleppt und verschwanden auf Nimmerwiedersehen. Nein, ihr Leben war voller Verdrängung unangenehmer Gedanken. Allenfalls die Rache eines verschmähten Liebhabers käme noch infrage, aber sie traute keinem dieser Männer zu, dass sie eine Entführung inszenieren würden. Niemand kannte ihren vollen Namen oder ihre Adresse. Sie selbst wollte doch nur Spaß haben, das Leben genießen, solange und so intensiv wie nur möglich. Ihr ganzes bisheriges Dasein war leicht und vergnügungsreich gewesen. Warum sollte sich dies jemals ändern? Sie würde schon dafür sorgen, dass es so blieb, und das Missverständnis würde sich bestimmt bald aufklären lassen.
Sie war ausgegangen, wie üblich in den Bars herumgebummelt, hatte geflirtet und die Männer verrückt gemacht. Kaum einer konnte ihr widerstehen, egal wie alt. Sie wusste, wie man sich gekonnt in Szene setzte, wie man etwas mehr Bein als üblich zeigen oder die Hüften schwingen musste. Insbesondere die verheirateten, gelangweilten Männer hatten es ihr angetan. Ein kurzer, enger Rock, der ihre schlanken Beine betonte. Ihr ganzes Geld gab sie für Mode aus, teure halterlose Strümpfe. Der Rest ließ sich unschwer erahnen. Der Ausschnitt ihrer Bluse war tief und gab je nach ihrer Wahl den Blick auf ein teures Dessous oder nackte Brüste frei.
Aber sie ließ nur den heran, der ihr gefiel, der ein gewisses Etwas verströmte und sie nicht einfach wie ein geiler Bock anstarrte. Es gab Männer, die hatten diesen gewissen Blick, unter dem ihre Nippel sich steil und hart aufrichteten, auffordernd durch den eng anliegenden Stoff pressten, darauf warteten, berührt und liebkost zu werden, und es in ihrem Slip warm und feucht wurde.
In dieser Nacht hatte es nur einen gegeben, den sie schließlich ganz an sich heranließ, so weit, wie es ihr recht war, um davon erregt zu werden. Ihre Taktik ging wie immer auf. Im Schutze einer dunklen Ecke hatte sie sich von ihm streicheln lassen, ihre Augen geschlossen, um ihn nicht anschauen zu müssen, hatte selbst ihre Klitoris liebkost und sobald sie ihren Höhepunkt erreicht hatte, hatte sie ihn weggestoßen und schnell das Lokal verlassen.
Es war gegen drei Uhr morgens, als sie vor ihrer Haustür ankam und parkte. Sie schnappte sich ihre Handtasche vom Beifahrersitz, gähnte verhalten und stieg aus. Während sie ihr Auto abschloss, ging alles rasend schnell. Zwei Männer zerrten sie von ihrem Auto weg, kaum dass sie die automatische Türverriegelung betätigt hatte. Einer hielt ihr sofort den Mund zu, der andere zog ihr die Hände auf den Rücken und legte ihr ein Paar Handschellen an. Dabei waren sie nicht zimperlich gewesen und hatten kräftig zugelangt. Ein paar blaue Flecken würde sie wohl davontragen.
Es nützte nichts, dass Vicky sich bemühte, mit ihren spitzen Hacken um sich zu treten. Sie verlor den Halt unter den Füßen. Ein breites Klebeband über ihren zarten roten Lippen brachte sie sicher zum Schweigen, ehe sie grob auf den Rücksitz des fremden Wagens gestoßen wurde. Ihr Herz raste. Dann wurde ihr ein merkwürdig riechendes Tuch auf die Nase gepresst und sie verlor sofort das Bewusstsein.

Irgendwann war Vicky wieder zu sich gekommen. Sie lag auf der Rückbank eines Autos, unfähig sich aufzurichten. Die Hände waren ihr immer noch auf den Rücken gefesselt und auch die Beine waren zusammengebunden. Die Sicherheitsgurte waren offenbar so eingesetzt worden, dass sie davon unten gehalten wurde. Ihre Arme schmerzten von der unbequemen Stellung und man hatte ihr die Augen verbunden, sodass sie keine Ahnung hatte, wohin man sie brachte oder wo sie sich gerade befand.
Die Fahrt dauerte lange, sehr lange. Obwohl Vicky völlig das Gefühl für Zeit verloren hatte, so musste sie doch davon ausgehen, dass sie seit Stunden unterwegs waren. Sie hatte wütend gebrummt, versucht sich aufzurichten oder zu strecken, aber ohne Erfolg. Niemand hatte darauf reagiert. Zwei Männer unterhielten sich ab und an auf Italienisch, wovon Vicky nur Bruchstücke verstand, die jedoch belanglos waren. Zwischendurch summte einer davon zu den Melodien aus dem Autoradio, das internationale Schlager spielte.
Dann, nach einer ihr unendlich lang erscheinenden Zeit, wurde das Auto langsamer und hielt schließlich. Der Motor wurde abgestellt. Jemand erklärte ihr, dass sie aussteigen würden, packte sie an den Hüften und half ihr aus dem Auto. Sie war überrascht, wie vorsichtig dies geschah. Man achtete darauf, dass sie sich nirgends den Kopf anstieß und zog ihr den linken Schuh wieder an, der ihr vom Fuß gerutscht war. Ihr Herz klopfte vor Angst so heftig, dass sie das Gefühl hatte, man müsste es hören. Wirre Gedanken rasten durch ihren Kopf und ihr war schlecht vor Angst.


Vicky stand in einem üppig mit Antiquitäten ausgestatteten Büro. Es fiel ihr schwer, sich auf einen Punkt zu konzentrieren. Mehrere Wandlampen tauchten das Zimmer mit der hohen, von Stuckornamenten verzierten Decke in ein helles aber durchaus angenehmes Licht.
»Unser Auftrag ist ausgeführt, Patrona. Hier ist sie.«
Eine etwas korpulente, aber gut gekleidete ältere Dame kam auf Vicky zu. Ihre grau melierten, in zartem Violett getönten Haare waren hoch toupiert und gaben ihr in Kombination mit einem dunkelblauen Kostüm und einer goldumrandeten Designerbrille ein strenges, Respekt gebietendes Aussehen. Die Falten um ihre Augen und ihre Mundwinkel ließen Vicky vermuten, dass sie auf die siebzig zuging.
»Was soll ich hier? Lassen Sie mich sofort frei. Sie haben kein Recht, mich festzuhalten!« Vicky fand, es war an der Zeit, ihrem Missfallen lautstark Ausdruck zu verleihen. Da man sie bislang weder vergewaltigt noch umgebracht hatte, würde man es wohl kaum jetzt tun. Zumindest hoffte sie das. Wütend zerrte sie an ihren Fesseln.
Die Dame, die einer der Entführer mit Patrona angesprochen hatte, ignorierte Vickys Protest. Sie umrundete die junge Frau, die in der Mitte des Zimmers stand, seelenruhig, musterte sie noch mal vor ihr stehend kritisch von oben bis unten, und gab dann einem der beiden Männer einen Wink.
»Zieh sie aus, Tomaso, damit ich sie inspizieren kann.« Sie hatte italienisch gesprochen, dennoch hatte Vicky die Bedeutung der Worte verstanden.
»Sind Sie verrückt? Was soll das alles – es muss sich um eine Verwechslung handeln! Ich will sofort –«
Der Blick der Patrona traf sich mit ihrem. Ihre Mundwinkel verzogen sich zu einem spöttischen Lächeln. Vicky bekam weiche Knie.
»Ich protestiere. Lassen Sie mich gehen!« Vicky merkte, dass sie die Fassung verlor, wie ihre Stimme schriller wurde und überschnappte.
»Du hast hier gar nichts zu melden, meine Süße. Bring sie zum Schweigen, Stefano.«
Für eine Frau klang die Stimme der Patrona ungewöhnlich tief und samtig. Sie machte eine Handbewegung, die ihre Worte unterstreichen sollte, und der Mann namens Stefano ging auf Vicky zu, packte sie fest am Kinn, erstickte damit jegliche Gegenwehr, spreizte gegen ihren Willen ihren Mund auf und schob ihr einen ballförmigen Knebel zwischen die Zähne. Vicky begann, panisch zu würgen. Der Knebel schob ihr die Kiefer auseinander und sie hatte Angst, sie würden ihr dabei ausgerenkt werden.
»Beruhige dich, dir geschieht nichts. Ruhig durchatmen«, befahl Stefano.
Vicky wollte sich aber nicht beruhigen. Sie schrie abwehrend in den Knebel, als sie merkte, dass beide Männer nach dem Stoff über ihren Schultern griffen, und versuchte erfolglos auszuweichen. Aber Stefano hielt sie an den Armen fest, während Tomaso das Oberteil so grob von ihren Schultern zerrte, dass der Stoff dabei zerriss. Er musterte ungeniert Vickys bloße Brüste, dann lachte er amüsiert über ihren durch den Knebel gedämpften Aufschrei.
»Stillhalten, Bella.«

Vickys Panik wurde unerträglich. Tränen stiegen ihr in die Augen. Sie trug keinen BH unter ihrem Kleid und die streng auf den Rücken gebundenen Arme verstärkten das Hervortreten ihrer wohlgeformten Rundungen. Unwichtige Gedanken schossen ihr durch den Kopf, während sie von den drei fremden Menschen gemustert wurde. Alles an ihrem Körper war perfekt, ihre Haut gepflegt, alabasterweiß und seidenweich. Sollte ihr das etwa zum Verhängnis werden? Was hatten sie mit ihr vor?
Vicky brannten die Augen von den Tränen, die nun ihre Wangen hinabliefen, und das unerträgliche Gefühl der Verlorenheit noch mehr verstärkten. Sie wollte endlich eine Aufklärung, was das alles sollte. Vielleicht war dies die stille Rache einer betrogenen Ehefrau, dann würde sie sich dafür entschuldigen. Wenn man ihr nur diese verdammten Fesseln und den Knebel abnehmen würde.
Die Patrona hatte ihre erste Inspektion beendet, nickte zufrieden, musterte Vickys verzweifelte Miene mit einem zynischen Zucken um die Mundwinkel und kommentierte knapp: »Sie wird einen guten Preis einbringen, einen sehr guten sogar.«
Wie bitte, wollte man sie etwa verkaufen? Vicky stockte der Atem. Protestierend schrie sie in ihren Knebel und schüttelte den Kopf, trampelte, so heftig es mit den hohen Schuhen möglich war, auf den Boden, wobei ihre Brüste auf und ab wippten. Aber keiner der Anwesenden schien sich dafür zu interessieren. Stattdessen riss einer der Männer auf einen Wink der Patrona ihr nun die Reste ihrer Kleidung völlig herunter. Außer Strümpfen und einem String trug Vicky nichts mehr, und dieser String bestand aus nicht mehr als ein paar Bändchen, die ein schmales Dreieck über ihrem Venushügel hielten. Eine Gänsehaut überzog Vickys Körper unter den musternden Blicken der Anwesenden.
Die Patrona rümpfte die Nase.
»Insgesamt ein bisschen zu dünn, man kann ja fast die Rippen zählen. Wir werden sie ein wenig aufpäppeln. Hungerharken sind aus der Mode gekommen. Aber ihre Hüften haben einen schönen Schwung, ihr Hintern ist schön knackig und wie für eine Züchtigung geschaffen. Sie wird eine hübsche Lustsklavin abgeben, wenn sie erstmal erzogen ist.«

Vicky hielt für einen Augenblick die Luft an. Die Patrona hatte Deutsch gesprochen, es war wohl ihre Absicht gewesen, dass Vicky alles verstand. Ihr Deutsch war sogar exzellent, mit einem leichten schwingenden Akzent darin. Züchtigung? Lustsklavin? Erziehung? Das Blut in ihren Ohren begann laut zu rauschen.
Die Patrona kam näher und streckte ihre Hand nach Vickys Busen aus. Vicky wich stolpernd zurück. Aber Stefano packte sie von hinten an den Oberarmen und hielt sie fest. Unbarmherzig kamen die Finger mit den langen rot lackierten Nägeln näher, betasteten ungeniert Vickys Rundungen und zupften an ihren weichen Brustwarzen. Vicky wand sich in dem strengen Griff und schüttelte abwehrend den Kopf. Doch die Dame lächelte überlegen.
»Sie hat schöne große Nippel, Tomaso. In erregtem Zustand sind sie bestimmt prall und lang, glaubst du nicht auch? Wenn die Zeit gekommen ist, sollten wir ihren künftigen Herrn fragen, ob wir sie vor der Übergabe noch piercen sollen. Ein Paar goldene Ringe würden sich hübsch daran machen, vielleicht mit den Initialen ihres Herrn als Anhänger.«
Vicky gefror das Blut in den Adern. Welcher künftige Herr? Das klang gar nicht gut. Ihre makellosen Brustwarzen piercen? Waren diese Leute denn völlig verrückt? Erneut bemühte sie sich wütend ihrem Protest Ausdruck zu geben, brummte und schüttelte heftig den Kopf. Eine schallende Ohrfeige war die Antwort. Überrascht verstummte sie und starrte die Patrona mit aufgerissenen Augen an.
»Sei still und finde dich damit ab, dass es mit deinem freien und zügellosen Leben vorbei ist. Tomaso wird dir alles erklären, wenn es an der Zeit ist.« Die Dame grinste süffisant. »Du scheinst besonders widerspenstig zu sein.« Ihre Stimme wurde leiser und nahm einen gefährlichen Klang an. »Aber wir werden eine gehorsame, devote Sklavin aus dir machen. Wie aus allen anderen. Verlass dich darauf. Ach ja – und vergiss eines nicht, du bist freiwillig hier.« Ein Grinsen verstärkte die Fältchen um ihre Lippen.
Freiwillig? Was sollte dieser Quatsch? Niemals.
Die Patrona fädelte ihre Finger in die dünnen Bändchen des Strings, riss kurz daran, ließ den String auf den Boden fallen und begutachtete Vickys Venushügel, der von einem Nest rot gelockter Haare bedeckt war. Ihre Finger strichen sanft darüber, sie warf Stefano einen auffordernden Blick zu und er ließ Vickys Oberarme los, packte sie, warf sie bäuchlings über die Lehne eines Sessels und schob ihre Beine weit auseinander. Vicky schüttelte erneut protestierend ihren Kopf hin und her, aber alle ignorierten es.
Im Augenwinkel beobachtete sie, wie die Patrona ein Kondom über ihren Zeigefinger zog, dann verschwand sie aus ihrem Blickfeld. Ihre kalten Finger zogen Vickys Pohälften auseinander, zwängten sich zwischen Vickys Schamlippen, untersuchten diese sorgfältig, jedoch ohne einzudringen, ebenso ihre Klitoris. Vicky meinte, vor Scham augenblicklich sterben zu müssen. Ihr Genick wurde von einer Hand tief in den Sessel herunter gedrückt, sodass ein Aufspringen unmöglich war. Ein Finger presste sich auf ihre Rosette. Vicky wimmerte und kniff ihre Analmuskeln noch fester zusammen, aber der Druck war unnachgiebig. Gegen ihren Widerstand stieß sich der Finger tief in ihren After. Der Eingang schmerzte und sie merkte, wie sich der Finger in ihrem After bewegte, drehte und bohrte. Sie versuchte zu treten, aber ihre Beine wurden wie von Schraubstöcken festgehalten. Endlich wurde der Finger wieder herausgezogen.
»Ein Prachtstück, findest du nicht, Tomaso?«
»Oh ja, Patrona. Ich glaube, wir werden uns vor Interessenten nicht retten können. Mit ihren kastanienbraunen Haaren und der weißen Haut ist sie was ganz Besonderes, dazu die grünen Augen und die fast roten Schamhaare.«
»Hmm. Ihr After ist ziemlich eng. Falls es mehrere Interessenten gibt, die auch Analverkehr wünschen, müssen wir sie vorher noch sorgfältig dehnen und daran gewöhnen.«

Vicky gefror das Blut. Analverkehr?
»Kümmere dich darum, dass wir demnächst den Doktor hier haben, Tomaso, damit er alle Mädchen unter die Lupe nimmt.« Die Dame gab Vicky einen kräftigen Klaps auf den Po und lachte vergnügt. »Die nächste Versteigerung ist schon in zwei Monaten. Wenig Zeit, dir alles beizubringen, aber dennoch genug dich zu erziehen, meine kleine widerspenstige Stute.« Sie kicherte.
Der Mann zog Vicky wieder auf die Beine. Sie wäre am liebsten im Boden versunken. Was waren das nur für Leute? Was das hier etwa ein Bordell? Von was für einer Versteigerung war die Rede? Sie kam sich vor wie auf einem Viehmarkt. Noch nie hatte sie jemand Stute genannt. Ein kalter Schauer lief ihr den Rücken herunter und ihre Angst schnürte ihr fast den Atem ab. Durch ihren Tränenschleier verschwamm alles vor ihren Augen.
»Bringt sie raus und bindet sie an, so wie sie jetzt ist. Die anderen sollen ein bisschen Spaß haben. Jeder darf sie anfassen. Ich will sehen, ob sie das heiß macht. Damit hat sie heute auch gleich ihre erste Lektion und lernt, wie es ist, keine Rechte zu haben. Verbindet ihr die Augen. Sie muss schnell lernen. Sorgt dafür, spannt auch alle anderen dabei ein. Ich lasse euch alle notwendigen Freiheiten.« Der Zug um ihre Mundwinkel war herablassend. Vicky würde keine Gnade zu erwarten haben.


Stefano nahm Vicky fest am Oberarm und zog sie mit sich. Es blieb ihr nichts anderes übrig, als mit ihm mitzustolpern, die Treppe hinunter, ins Foyer. Das Foyer wirkte wie das Entree einer Stadtvilla aus einem Historienroman. Links und rechts führte die breite, mit einem roten Teppich ausgelegte Treppe nach oben. Ein opulentes schmiedeeisernes Geländer bildete den Abschluss. Hoch oben war eine reich mit Stuck und Gold verzierte Decke zu sehen, von falschen Halbsäulen an den Wänden getragen.
Der großräumige Eingangsbereich verjüngte sich hinter den Treppen ins Haus hinein zu einem langen Flur, von dessen Ende Stimmengewirr und Gelächter zu hören waren.
Stefano führte Vicky zu einem Säulenstumpf, der mitten im Bereich zwischen den Treppen aus dem Boden ragte und an dem große Ringe verankert waren. Sie wurde rücklings angebunden, die Arme nach hinten gezogen. Zusätzliche Fesseln an den Oberarmen zwangen ihre Arme noch strenger nach hinten und ihren Rücken in ein Hohlkreuz, wodurch ihre Brüste schutzlos nach vorne gepresst wurden. Stefano zog ihr eine Augenbinde über.
»Hör auf zu weinen. Du wirst dich schon noch daran gewöhnen, dass es hier ein bisschen anders zugeht.« Seine Hände waren warm, als sie Vickys Arme entlang strichen, trotzdem fröstelte sie dabei vor Angst. »Du bist wirklich rassig – schade, dass ich dich heute nicht nehmen darf. Die Patrona würde mich dafür einen Kopf kürzer machen. Aber der Tag wird kommen – und dann wirst du mir zeigen, ob du es drauf hast.«
Sie spürte seinen heißen Atem, als er ihr ins Ohr flüsterte, seine Hände fest auf ihren Brüsten und ein Bein zwischen ihre Schenkel gepresst. Noch nie in ihrem Leben hatte Vicky sich ähnlich hilflos gefühlt. »Füge dich in dein Schicksal, Sklavin.«
»Stefano. Ich brauche dich hier oben.«
Vicky wurde augenblicklich losgelassen. Sie hörte, wie er die Treppe emporsprang, wohl zwei Stufen auf einmal nehmend. Es war nicht genau auszumachen, da der Teppich die Wucht seiner Sprünge dämpfte.
Andere Schritte kamen bald darauf näher und schon betasteten Hände ungeniert ihren Körper, doch sie waren sanft und kühl. Ihre Brustwarzen wurden gezupft, die Schwerkraft ihrer Brüste getestet, ihre Schamhaare gekrault. Jemand kicherte leise. Es schien Vicky, als ob es mehrere Personen waren. Nervös drehte sie ihren Kopf hin und her.
»Hübsch ist sie, nicht wahr?«
»Hübsch wäre keine Konkurrenz für uns. Sie ist einzigartig und attraktiver als die meisten hier.«
Gift und Eifersucht lagen in der Stimme der zweiten Frau.
Eine dritte Stimme mischte sich ein, tiefer, mit französischem Akzent. »Komm jetzt. Ich habe Hunger. Der Gong wird bald läuten.«
Schritte entfernten sich, leise, von Teppichen gedämpft.
Vickys Kiefer schmerzten von dem Knebel, der ihren Mund aufspreizte. Speichel lief ihr seitlich heraus, ohne dass sie es kontrollieren konnte, und ein Film aus kaltem Schweiß überzog ihren ganzen Körper. Sie wimmerte vor sich hin. Die Situation überforderte ihren Verstand. Ihr Herz klopfte so sehr vor Panik, dass es sie in der Brust schmerzte. Zwar beruhigte sie sich immer wieder mal und redete sich ein, dass es nicht so schlimm werden würde. Doch bei jedem Geräusch zuckte sie zusammen und ihr Herz fing wie verrückt an zu rasen.
Eine erstaunlich tiefe Frauenstimme erklang plötzlich nah bei ihr. Sie hatte nicht gehört, dass sich jemand näherte. »Ach, da haben wir ja unseren Neuzugang.«
Sie spürte den warmen Atem auf ihrem Gesicht, ein Hauch von Tabak streifte sie, dann flüsterte die Stimme rau in ihr Ohr. »Willkommen, meine Kleine.«
Vicky lief ein kalter Schauer den Rücken herunter. Hände streichelten sanft über ihre Brüste, erkundeten alles, ihren schlanken Bauch, ihre Taille, massierten geübt ihren Po, gaben ihr einen harten Klaps darauf. Ihr Körper versteifte sich. Die Stimme summte vergnügt. Finger packten sanft ihre Nippel, streichelten sinnlich darüber, wieder und wieder. Vicky fühlte, wie innerer Widerstand nicht ausreichte, diesem zärtlichen Reiz zu verstehen. Sie versuchte rückwärts auszuweichen, stieß an die Säule, fühlte einen Fuß zwischen ihren und gab auf. Ihre Brustwarzen hatten sich verhärtet, ihr unsichtbares Gegenüber griff nun fester zu, ihre Brüste lagen in ihren Händen und ein Finger strich unentwegt, lockend, verführerisch sinnlich über ihre Nippel. Vicky wimmerte. Sie kämpfte verzweifelt gegen die Lust an, die ihre Brustwarzen empfanden und an ihren Körper weiter gaben.
»Hm, hübsch. Eine wahre Augenweide. Es wird mir eine Freude sein, dich zu erziehen. Es heißt, du bist ein ganz durchtriebenes Luder und geil wie eine läufige Hündin«, murmelte die Fremde. »Es scheint zu stimmen. Stehst du wirklich nur auf Männer? Ich werde schon noch deinen Preis herausfinden, Süße.«
Die letzten Worte der Fremden waren nur noch ein Hauchen, während ihre Finger behutsam und wissend über Vickys Brustwarzen streichelten und in ihrem Unterleib ein unerwartetes Feuer entfachten. »Eines Tages wirst du mir dienen, Kleine.«
Nein, um Himmels willen, nein, ich will das nicht, das kann doch nicht sein, dachte Vicky voller Empörung. Empörung über die Bedrohung, aber auch Empörung über sich selbst, dass es dieser Fremden gelang, in ihrem Körper ein Gefühl zu wecken, dass sie jetzt, in dieser Situation, am allerwenigsten spüren wollte, noch dazu von einer Frau ausgelöst.
»Dann bis bald, Victoria, ich freue mich auf dich.« Doch es klang weniger wie eine Drohung, eher wie eine Einladung.

© Sira Rabe