^Back To Top
foto1 foto2 foto3 foto4 foto5 foto6 foto7 foto8 foto9 foto10

hair saloonLiebe ist eine zeitlose Macht, die einen glücklich oder unglücklich machen kann. Auf jeden Fall ist Liebe voller Spannung, wirbelt das Leben durcheinander und vollbringt Unerwartetes. So erleben es auch meine Protagonisten ...

Begierde - Seite 2

Die Demütigung begann bereits kurz nach Vickys Ankunft. Mehr als einmal hatte sie das Gefühl, ihr Herz müsse jeden Moment vor Angst und Schamgefühl aussetzen und sie ohnmächtig zu Boden sinken lassen. Aber diese Gnade wurde ihr nicht gewährt. Ihr Kreislauf war viel zu stabil, um zusammenzubrechen.
Sie war das Opfer einer Entführung geworden. Es musste sich um eine Verwechslung handeln, was sonst. Etwas anderes gestattete ihre Vorstellungskraft nicht. Zwar meldeten die Medien immer wieder einmal Entführungsfälle. Junge, unmündige Mädchen wurden verschleppt und sie gestattete sich nicht, sich auszumalen, was mit den armen Geschöpfen geschehen mochte. Sicher fristeten sie ihr Leben in einem Bordell, wurden ins Ausland verschleppt und verschwanden auf Nimmerwiedersehen. Nein, ihr Leben war voller Verdrängung unangenehmer Gedanken. Allenfalls die Rache eines verschmähten Liebhabers käme noch infrage, aber sie traute keinem dieser Männer zu, dass sie eine Entführung inszenieren würden. Niemand kannte ihren vollen Namen oder ihre Adresse. Sie selbst wollte doch nur Spaß haben, das Leben genießen, solange und so intensiv wie nur möglich. Ihr ganzes bisheriges Dasein war leicht und vergnügungsreich gewesen. Warum sollte sich dies jemals ändern? Sie würde schon dafür sorgen, dass es so blieb, und das Missverständnis würde sich bestimmt bald aufklären lassen.
Sie war ausgegangen, wie üblich in den Bars herumgebummelt, hatte geflirtet und die Männer verrückt gemacht. Kaum einer konnte ihr widerstehen, egal wie alt. Sie wusste, wie man sich gekonnt in Szene setzte, wie man etwas mehr Bein als üblich zeigen oder die Hüften schwingen musste. Insbesondere die verheirateten, gelangweilten Männer hatten es ihr angetan. Ein kurzer, enger Rock, der ihre schlanken Beine betonte. Ihr ganzes Geld gab sie für Mode aus, teure halterlose Strümpfe. Der Rest ließ sich unschwer erahnen. Der Ausschnitt ihrer Bluse war tief und gab je nach ihrer Wahl den Blick auf ein teures Dessous oder nackte Brüste frei.
Aber sie ließ nur den heran, der ihr gefiel, der ein gewisses Etwas verströmte und sie nicht einfach wie ein geiler Bock anstarrte. Es gab Männer, die hatten diesen gewissen Blick, unter dem ihre Nippel sich steil und hart aufrichteten, auffordernd durch den eng anliegenden Stoff pressten, darauf warteten, berührt und liebkost zu werden, und es in ihrem Slip warm und feucht wurde.
In dieser Nacht hatte es nur einen gegeben, den sie schließlich ganz an sich heranließ, so weit, wie es ihr recht war, um davon erregt zu werden. Ihre Taktik ging wie immer auf. Im Schutze einer dunklen Ecke hatte sie sich von ihm streicheln lassen, ihre Augen geschlossen, um ihn nicht anschauen zu müssen, hatte selbst ihre Klitoris liebkost und sobald sie ihren Höhepunkt erreicht hatte, hatte sie ihn weggestoßen und schnell das Lokal verlassen.
Es war gegen drei Uhr morgens, als sie vor ihrer Haustür ankam und parkte. Sie schnappte sich ihre Handtasche vom Beifahrersitz, gähnte verhalten und stieg aus. Während sie ihr Auto abschloss, ging alles rasend schnell. Zwei Männer zerrten sie von ihrem Auto weg, kaum dass sie die automatische Türverriegelung betätigt hatte. Einer hielt ihr sofort den Mund zu, der andere zog ihr die Hände auf den Rücken und legte ihr ein Paar Handschellen an. Dabei waren sie nicht zimperlich gewesen und hatten kräftig zugelangt. Ein paar blaue Flecken würde sie wohl davontragen.
Es nützte nichts, dass Vicky sich bemühte, mit ihren spitzen Hacken um sich zu treten. Sie verlor den Halt unter den Füßen. Ein breites Klebeband über ihren zarten roten Lippen brachte sie sicher zum Schweigen, ehe sie grob auf den Rücksitz des fremden Wagens gestoßen wurde. Ihr Herz raste. Dann wurde ihr ein merkwürdig riechendes Tuch auf die Nase gepresst und sie verlor sofort das Bewusstsein.

Irgendwann war Vicky wieder zu sich gekommen. Sie lag auf der Rückbank eines Autos, unfähig sich aufzurichten. Die Hände waren ihr immer noch auf den Rücken gefesselt und auch die Beine waren zusammengebunden. Die Sicherheitsgurte waren offenbar so eingesetzt worden, dass sie davon unten gehalten wurde. Ihre Arme schmerzten von der unbequemen Stellung und man hatte ihr die Augen verbunden, sodass sie keine Ahnung hatte, wohin man sie brachte oder wo sie sich gerade befand.
Die Fahrt dauerte lange, sehr lange. Obwohl Vicky völlig das Gefühl für Zeit verloren hatte, so musste sie doch davon ausgehen, dass sie seit Stunden unterwegs waren. Sie hatte wütend gebrummt, versucht sich aufzurichten oder zu strecken, aber ohne Erfolg. Niemand hatte darauf reagiert. Zwei Männer unterhielten sich ab und an auf Italienisch, wovon Vicky nur Bruchstücke verstand, die jedoch belanglos waren. Zwischendurch summte einer davon zu den Melodien aus dem Autoradio, das internationale Schlager spielte.
Dann, nach einer ihr unendlich lang erscheinenden Zeit, wurde das Auto langsamer und hielt schließlich. Der Motor wurde abgestellt. Jemand erklärte ihr, dass sie aussteigen würden, packte sie an den Hüften und half ihr aus dem Auto. Sie war überrascht, wie vorsichtig dies geschah. Man achtete darauf, dass sie sich nirgends den Kopf anstieß und zog ihr den linken Schuh wieder an, der ihr vom Fuß gerutscht war. Ihr Herz klopfte vor Angst so heftig, dass sie das Gefühl hatte, man müsste es hören. Wirre Gedanken rasten durch ihren Kopf und ihr war schlecht vor Angst.

© Sira Rabe