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hair saloonLiebe ist eine zeitlose Macht, die einen glücklich oder unglücklich machen kann. Auf jeden Fall ist Liebe voller Spannung, wirbelt das Leben durcheinander und vollbringt Unerwartetes. So erleben es auch meine Protagonisten ...

Begierde

Lilly Grünberg

Begierde

Vicky und Marc sind Stiefgeschwister, doch die Vertrautheit ihrer Jugend zerbricht aufgrund eines Missverständnisses. Erst Jahre später, anlässlich der Testamentseröffnung der Eltern, sehen die beiden sich wieder. Für Vicky war ihr Stiefbruder immer die große Liebe, während Marcs Gefühle für Vicky zwischen Hass und Begierde schwanken. Marc lässt Vicky entführen und in ein elegantes Institut bringen, in dem devote Frauen zu perfekten Lustsklavinnen ausgebildet werden! Vickys Fluchtversuche bleiben erfolglos und ziehen Bestrafungen nach sich. Regelmäßig erhält Vicky Besuch von einem geheimnisvollen Maskierten, der ihr als künftiger Meister vorgestellt wird. Sie sträubt sich gegen die Erziehungsmaßnahmen des Unbekannten, doch mit jedem Treffen bricht ihr Widerstand ein Stückchen mehr zusammen. Vicky giert nach einer Befriedigung, die ihr nur der Maskierte schenken kann ...

Begierde

ISBN 978-3-93828-161-1, Plaisir d'Amour Verlag, Dez. 2009 – vergriffen

ISBN 978-3-94260-242-6, Elysion Books, Sept. 2013 – Neuauflage; dann auch als eBook

 

Leseprobe

Marc konnte sich kaum entsinnen, welchen Weg er durch die Straßen genommen hatte. Er war viel zu aufgewühlt und blind vor Wut, um bewusst eine bestimmte Richtung einzuschlagen, doch plötzlich stand er vor dem richtigen Haus. Ungeduldig fischte er seinen Hausschlüssel aus der Innentasche seines Jacketts und riss sich im Fahrstuhl die Krawatte herunter.
Er zwang sich dazu, die Jacke ordentlich auf einen Bügel zu hängen, obwohl er am liebsten einfach alles von sich geworfen hätte. Aber er wusste, dass er sich am Morgen zusätzlich ärgern würde, wenn alles unordentlich aussah. Zuletzt nahm er das Mobiltelefon aus der Jackentasche, schaltete es ein und legte es auf den Nachttisch.
Er zog sich aus, suchte im Badezimmerschrank erfolglos nach einer Kopfschmerztablette und stellte sich unter die Dusche. Das Wasser schoss in kaltem Strahl auf ihn herab, bis er es nicht mehr ertrug. Er brauste sich warm ab, dann setzte er sich im Pyjama vor den Fernseher. Was er jetzt brauchte, war Ablenkung.
Vickys Bild schien vor seinem inneren Auge wie eingebrannt. Ihre vollen nackten Brüste, ihre prallen Brustwarzen, der enge Stoff um ihre Taille, ihre langen schlanken Beine … es war wie eine Erlösung, als auf einmal das Handy klingelte.
»Ja?«
»Na endlich nimmst du mal ab, Marco – natürlich wollten sie mir am Telefon nicht allzu viel sagen, aber ich habe gleich heute einen Termin erhalten und bin hingefahren.«
»Wovon sprichst du, Antonio? Weißt du eigentlich, wie spät es ist?«

Antonio überging Marcs vorwurfsvollen Unterton. »Na – das Heiratsinstitut. Ich habe dort angerufen, nachdem du den Verdacht geäußert hast, sie könnten illegalen Mädchenhandel mit Asiatinnen betreiben. Aber es ist alles in Ordnung. Stell dir vor …«
Die neuesten Informationen sprudelten in einem ungebremsten Wortschwall aus Antonio heraus und mit jedem Satz wurde Marc hellhöriger. Dieses Heiratsinstitut war in der Tat anders als alle anderen, mit äußerst interessanten Aspekten. Etwas völlig Neues, Ungewohntes, und auf einmal reifte in Marc eine Idee.
Das war es! Jetzt wusste er, was er zu tun hatte.
Er würde Vicky auf den rechten Weg bringen und ihr den Ehemann verschaffen, bei dem sie zu ihrem Wort stehen, sittsam und treu sein musste.
Er würde ihrem liederlichen Treiben ein jähes Ende bereiten.
Ein zynisches Lächeln spielte um seine Lippen und er fühlte sich mit einem Schlag besser und ruhiger. Seine Kopfschmerzen waren wie weggeblasen.
Vicky brauchte eine gehörige Portion Erziehung, damit sie ihrem Künftigen nicht auf der Nase herumtanzte, und er wusste jetzt, wo sie die erhalten würde. Sie würde ihren bisherigen Lebenswandel noch bereuen!
»Das sind hervorragende Nachrichten, mein Freund. Morgen, Antonio, ich komme morgen nach Hause«, war seine Antwort auf Antonios abschließende Frage, ehe er auflegte.

Der Abend war amüsant gewesen, ganz nach Vickys Geschmack. Marc hatte sie nicht wiedergesehen, obwohl sie sich nach ihrer Begegnung vor einer Woche instinktiv immer wieder umgeschaut hatte, ob er sie noch mal heimlich observierte. Sie hatte amüsiert seinen plötzlichen Abgang in der Disco zur Kenntnis genommen und ging erleichtert davon aus, dass er abgereist war. Es war unvorstellbar, wie nahe sie sich einmal gestanden hatten. Jetzt war es ihr lieber, er war fort, weit fort. Für immer und ewig fort aus ihrem Leben. Sie musste ihn endlich vergessen.
Ihre augenblickliche Arbeitslosigkeit gab Vicky mehr Zeit als sonst, die nächtlichen Ausflüge auszudehnen und zu genießen. Schließlich musste sie nicht früh aufstehen, sondern durfte solange schlafen, wie sie wollte. Sie hatte ein paar Absagen erhalten, die sie aber gelassen hinnahm, da weitere Bewerbungen unterwegs waren und die Aussicht bestand, zum nächsten Ersten bei einer Airline als Stewardess engagiert zu werden. Sicher war es zwar noch nicht, aber ihr ungebrochener Optimismus hatte sich bislang immer bestätigt.
Sie genoss den ausgedehnten Schönheitsschlaf, ein ausgiebiges Bad, das Eincremen und Pflegen ihres Körpers, ihre Nägel zu maniküren und in den Tag hinein zu träumen. Jedenfalls galt es, die freie Zeit bis dahin zu nutzen, hauptsächlich damit, des Abends Männer zu verführen und zu demütigen. Wie eingebildet sie doch waren. Sobald eine hübsche Frau auf ihre Flirtversuche einging, glaubten sie, sie würden von ihr angehimmelt und wären die Götter auf Erden. Vickys Mund nahm einen verächtlichen Zug an. Sie zeigte ihnen, dass sie allesamt Trottel waren.
Auf das abrupte Ende dieses Abends war sie jedoch nicht gefasst. Niemals hätte sie geglaubt, dass die Nacht und ihre Spielerei für sie Gefahren bergen könnten. Bis zu diesem Moment fühlte sie sich so verdammt sicher.

© Sira Rabe