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hair saloonLiebe ist eine zeitlose Macht, die einen glücklich oder unglücklich machen kann. Auf jeden Fall ist Liebe voller Spannung, wirbelt das Leben durcheinander und vollbringt Unerwartetes. So erleben es auch meine Protagonisten ...

Schneewittchen

Lilly Grünberg

Schneewittchen

Schneewittchen gerät in große Gefahr, denn die böse Königin will sie als Beute wilden Dämonenkriegern überlassen. Doch Hilfe naht in Gestalt des ebenso aufregenden wie mächtigen Vampirs Armand …

Lilly Grünbergs erotische Schneewittchen-Novelle gibt es einzeln als Ebook
oder als eines von fünf erotischen Märchen in der Anthologie »Wenn es dunkel wird im Märchenwald« 
ISBN 978-3-93828-158-1, erschienen im Plaisir d'Amour Verlag, Jan. 2009

Leseprobe

Die Tage schienen nicht zu vergehen. Schneewittchen hätte sich gerne irgendwie nützlich gemacht, aber das einzige was sie tun konnte, war den Tisch decken und das Geschirr abspülen oder die Betten machen. Kochen oder putzen hatte sie natürlich nie gelernt, und die Gnome wollten auch nicht, dass sie sich ihre zarten Hände ruinierte. Sie verließen früh am Morgen das Haus, um ihrer Arbeit nachzugehen und kamen erst bei Anbruch der Dunkelheit zurück.
Also unternahm Schneewittchen lange Spaziergänge, sah den Vögeln und den Eichhörnchen zu, und entdeckte einen Fuchsbau, vor dem fünf kleine Füchse in der Sonne spielten. Am zweiten Tag machten die Gnome ihr abends ein Geschenk. Sie hatten zwei schlichte Kleider, ein paar bequeme Schuhe und ein Nachthemd für sie besorgt. Schneewittchen war außer sich vor Freude.
»Wo habt ihr das denn her, ihr Lieben?«
»Von da und von dort«, schmunzelte Zweizahl. »Hauptsache, es ist Euch recht.«
»Oh ja sehr. Es ist doch sehr unbequem, immer das Reitkostüm und die Stiefel zu tragen.«

Am nächsten Tag hüpfte Schneewittchen ausgelassen wie ein junges Mädchen durch den Wald. Das neue einfache Kleid trug sich sehr angenehm. Die Zwerge hatten sie zwar gewarnt, sie solle sich lieber nicht zu weit von der Hütte entfernen, damit sie sich nicht verlaufe. Außerdem wüsste man nie, wer noch im Wald unterwegs wäre, auch wenn sie überall Spione hätten, wäre es besser, vorsichtig zu sein.
Schneewittchen aber fühlte sich vollkommen sicher. Solange überall Tiere zu beobachten waren und der Wald voll natürlicher Geräusche, drohte ihr bestimmt keine Gefahr. Trotzdem hatte sie ihre Haare zusammengebunden und unter einer Haube versteckt.
Als sie an einen Bach kam, sah sie hinein. Ihr Spiegelbild war ganz ungewohnt, sie erkannte sich selbst beinahe nicht. Sie erschrak, als sie auf einmal das Schnauben eines Pferdes hörte, direkt hinter ihr und das Pferd den Kopf senkte, um zu trinken. Sie fuhr herum und blickte in die dunklen Augen des Mannes, der auf dem prächtigsten Rappen saß, den sie je gesehen hatte.
Der Mann nahm seinen breitkrempigen Hut ab, den eine buschige schwarze Feder zierte und verneigte sich. »Sei gegrüßt schöne Maid. Hast du dein Spiegelbild bewundert? Das kann ich verstehen – du bist wunderschön.«
Schneewittchen brachte vor Überraschung und Verlegenheit kein Wort heraus. Der junge Mann war von einer beeindruckenden Attraktivität. Er hatte ein schön geschnittenes Gesicht, sinnlich geschwungene Lippen, war muskulös und wirkte sehr elegant in seiner schwarzen Kleidung. Seine Lederhose steckte in hohen schwarzen Lederstiefeln. Unter Jacke und Umhang trug er ein weißes Hemd mit wertvollen Rüschen. Er musste gewiss ein Edelmann sein.
»Nun, was ist? Hat es dir die Sprache verschlagen?«, lachte er übermütig.
»Was fällt Euch ein mich –«
Im letzten Augenblick hielt Schneewittchen inne und senkte den Blick. Sie trug ein einfaches Gewand, deshalb ahnte er bestimmt nicht, wenn er vor sich hatte und das war auch besser so. Wer weiß, wer er war. Vielleicht schickte ihn die Königin.
»Verzeiht«, murmelte sie. »Aber Ihr habt mich erschreckt.«
Sie streckte die Hand nach dem Kopf des Pferdes aus, das inzwischen genug getrunken hatte. Es schnupperte und blies ihr aus seinen Nüstern warmen Atem gegen ihre Handfläche. Schneewittchen streichelte es vorsichtig. Seine Nase war weich wie Samt.
»Du bist sehr schön«, erwiderte der Reiter. »Und darüber hinaus musst du etwas ganz Besonderes sein.«
»Wie kommt Ihr darauf?« Schneewittchen fühlte ein ihr unbekanntes Prickeln, das bei den Haarwurzeln begann und langsam von oben nach unten ihren Körper überflutete. Ihr wurde dabei ganz warm.
»Mein Rappe lässt sich normalerweise nicht von Fremden anfassen. Er vertraut dir.«
»Er ist ein prachtvolles Tier«, murmelte Schneewittchen und schaute nun wieder zu dem Reiter auf. Sein Blick ging ihr durch und durch, und ihr Herz schien vor Aufregung zu zerspringen. Was war nur los mit ihr? So etwas hatte sie noch nie erlebt.
»Leider habe ich es eilig, man erwartet mich. Sonst hätte ich gerne noch ein wenig mit dir geplaudert. Aber vielleicht sehen wir uns wieder – verrätst du mir deinen Namen?«
Schneewittchen musterte das Pferd, das wertvolle Zaumzeug und den edlen Sattel. Erst jetzt bemerkte sie, dass der Fremde bewaffnet war. Ihre Zuversicht sank. Eben noch hatte sie gehofft, es würde sich um einen harmlosen Reisenden handeln. Doch nun war sie sich mit einem Mal nicht mehr sicher. An seinem Gürtel trug er ein mächtiges Schwert, dessen Griff mit wertvollen Edelsteinen verziert war. Sie durfte ihm auf keinen Fall ihren Namen verraten. Offensichtlich hatte er sie in ihrer einfachen Kleidung nicht erkannt. Es war besser, dies blieb so.
»Ich heiße Barbara«, behauptete sie so selbstbewusst wie möglich. »Ich wünsche Euch eine gute Reise.« Sie drehte sich ab, um den Bach zu verlassen und zum Weg zurück zu gehen.
»Einen Augenblick noch, nicht so eilig, mein schönes Kind.«
Zu Schneewittchens Überraschung sprang der Edelmann von seinem Ross und hielt sie fest. Hatte er nicht eben noch behauptet, dass er es eilig habe? Sie schaute ihn an, wich jedoch einen Schritt zurück, als er näher kam. Doch er war schneller als sie und fasste ihre Hand.
»Du wirkst trotz deiner schlichten Kleidung gar nicht wie ein einfaches Fräulein – wo wohnst du? Wo finde ich dich wieder, sobald mein Auftrag erledigt ist?«
Schneewittchen hätte ihm gerne ihre Hand entzogen, die plötzliche Nähe war ihr ein wenig unheimlich, doch gleichzeitig fühlte sie sich zu ihm hingezogen. Es fiel ihr schwer, sich zusammenzureißen und ihm aus lauter Vorsicht eine Abfuhr zu erteilen. Sie legte den Kopf schräg und lächelte.
»Wenn Euch soviel an einem Wiedersehen gelegen ist, edler Herr, dann werdet Ihr mich gewiss wiederfinden. Oder glaubt Ihr, dass ich allzu weit davon laufen kann? Ihr könnt jeden hier nach Barbara fragen, nicht wahr?«
Scheinbar hatte er eine andere Antwort erwartet, er wirkte verblüfft, zog sie an ihrer Hand näher an sich heran und studierte aufmerksam ihre Miene. Bewunderung lag in seinem Blick. Seine Nasenflügel blähten sich wie die seines Pferdes und er sog tief die Luft ein. Dann lachte er und beugte sich vor, als wolle er sie auf den Mund küssen, doch Schneewittchen drehte ihren Kopf auf und er hauchte ihr stattdessen einen Kuss auf die Stirn.
»Na so was – du widerstehst der Versuchung? Sehr bemerkenswert.«
Er ließ sie los und saß auf. Seine Augen blitzten auf, als er sie ein letztes Mal anschaute.
»Dann auf bald, keusche Barbara.«
Schneewittchen schaute ihm hinterher, als er davon ritt. Zu Schade. Ihr Puls klopfte, als wolle er ihre Adern sprengen. Ein schöner Mann, ein Ritter, ganz wie sie ihn sich in ihren sehnsüchtigen Träumen wünschte. Schneewittchen seufzte. Wenn sie nur wüsste, auf welcher Seite er stand, ob sie ihm hätte vertrauen dürfen.

Es war schon spät, als sie zur Hütte zurückkehrte. Sie hatte auf dem Rückweg vor sich hingeträumt und an den Fremden gedacht. Er ging ihr einfach nicht mehr aus dem Kopf. Noch nie war ihr ein Mann begegnet, der ihr Herz so schnell und aufgeregt schlagen ließ.
Als sie eintrat, hörte sie Stimmen. Die Gnome waren also bereits vor ihr nach Hause gekommen. Sie unterhielten sich.
»Dann ist also alles vorbereitet? Es ist bald Vollmond!«
»Ja, ab morgen stehen meine Truppen bereit und euer Bruder wird mit ihnen zurückkehren. Der Arme war ganz erschöpft, als er bei mir ankam.«
Also war da noch jemand anderer. Es musste derjenige sein, zu dem Siebenzahl unterwegs gewesen war. Sie zögerte, presste ihr Ohr an die Tür und lauschte weiter. Es war eine angenehme männliche Stimme, die ihr seltsam bekannt vorkam.
»Beinahe hätte ich mich allerdings wegen einer jungen Maid verspätet. Sie war wunderschön.«
Ein allgemeines Raunen und Kichern war zu hören.
»Aber Durchlaucht, Ihr werdet doch nicht dem Charme eines Mädchens erliegen?«
»Warum nicht? Ich bin schon lange auf der Suche nach einer Braut. Ihr kennt sie bestimmt. Sie sagte, ihr Name wäre Barbara.«
»Barbara?«, wiederholten Dreizahl und Vierzahl wie aus einem Mund? »Ein Mädchen mit diesem Namen gibt es hier weit und breit nicht.«
»Wirklich? Ich dachte, sie müsste von hier sein, so alleine im Wald. Nun, hätte ich es nicht eilig gehabt – ich werde sie suchen, wenn alles vorbei ist. Nun sagt mir aber, wo euer Schützling, die Prinzessin, ist. Wo ist Schneewittchen?«
Als sie ihren Namen genannt hörte, fuhr sie erschrocken zusammen. Langsam schob sie die Tür ganz auf und trat ein.
»Guten Abend, ich bin hier.«
Alle drehten sich um und starrten sie an.Nicht umsonst war ihr die Stimme bekannt vorgekommen. Es war der fremde Reiter, der nun aus dem Sessel aufstand, in dem sie sonst saß. Galant verbeugte er sich vor ihr. Dann sah er sie an und lächelte ein wenig verwirrt.
»Aha, Barbara. So, so. Du warst es also, die mir heute in wenigen Sekunden mein Herz gestohlen hat …« Dabei zog er ihr sanft die Haube von den Haaren. Ihre langen Locken fielen über die Schultern herab.
Schneewittchen sah nur noch ihn. Sie ertrank in seinen glänzenden Augen, nahm nicht mehr ihre kleinen Freunde wahr, die leise kicherten, Witze machten und sich allmählich ganz leise zurückzogen. Sie fühlte sich völlig im Bann des Mannes, dessen Finger vorsichtig ihre Haare durchkämmten und entwirrten.
»Du bist ja noch viel schöner, als man mir erzählt hat«, murmelte er. Dann zog er plötzlich seine Hand zurück. »Verzeiht, dass ich meine guten Manieren vergesse und Euch nicht …«
»Nein«, hauchte Schneewittchen, griff nach seiner Hand und hielt sie fest. »Bitte, werde nicht förmlich. Lass alles so vertraut, wie es bisher war. Sag mir deinen Namen.«
Für Sekunden starrten sie sich einfach an, konnten sich an den Augen des anderen nicht satt sehen. Ihr wurde immer wärmer unter ihrem Kleid, aber besonders zwischen ihren Schenkel begann es auf eine Weise zu pulsieren, wie sie es noch nie erlebt hatte. Sie wünschte sich nichts sehnlicher, als in seinen Armen zu liegen, von diesen sinnlich geschwungenen Lippen geküsst zu werden – und dass er sie berührte, wie sie es bislang häufig geträumt, doch niemals erlebt hatte.
»Ich bin König Armand de Amaury.« Er führte ihre Hand an seine Lippen und gab ihr einen Handkuss. Sein Mund berührte kaum ihre Haut, und dennoch hatte Schneewittchen das Gefühl, es hätte sie ein Vulkan geküsst und sie müsste auf der Stelle lichterloh zu Asche verbrennen.
»Ihr seid – Majestät – Ihr seid der König der Vampire, unser Nachbar aus dem Reich hinter den hohen Schneegipfeln?«
Er lächelte und entblößte dabei eine Reihe weißer, makelloser Zähne, deren Eckzähne besonders spitz waren.
»Gewiss. Zu deinen Diensten, Prinzessin. Wollen wir nicht die Förmlichkeiten lassen, so wie du gerade selbst vorgeschlagen hattest?«
Ehe sie es sich versah, saß sie auf seinem Schoß und wurde von ihm zärtlich und doch voller Leidenschaft geküsst. Sie merkte zunächst nicht, wie seine Hand ihren Rock nach oben schob, so süß und innig spielte seine Zunge mit der ihren einen Tanz, dass sie nichts anderes wahrnahm. Doch dann fühlte sie auf einmal seine Finger, wie sie zärtlich ihre Schenkel empor streichelten und sich ihrer Scham näherten. Sie fürchtete sich ein wenig und begann zu zittern.
»Keine Angst, ich werde dich heute nicht deiner Unschuld berauben, Prinzessin«, flüsterte Armand. »Aber ich werde dir zeigen, wie schön die Liebe sein kann, und wie sehr ich dich schon jetzt begehre.«

© Sira Rabe