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hair saloonLiebe ist eine zeitlose Macht, die einen glücklich oder unglücklich machen kann. Auf jeden Fall ist Liebe voller Spannung, wirbelt das Leben durcheinander und vollbringt Unerwartetes. So erleben es auch meine Protagonisten ...

Verführung der Unschuld


Giulia fuhr erschrocken herum.
In der Tür stand ein Mann, der sein Gesicht hinter einem Zipfel des schwarzen Umhangs verbarg, den er über den Schultern trug, und mit einer Hand vor sich empor hielt. Er wirkte gespenstisch, hob sich kaum vom dunklen Hintergrund ab. Nur seine Augen waren zu erkennen, stachen aus dem Umriss einer ebenfalls schwarzen Maske hervor und blickten Giulia über den Rand des Umhangs hinweg an.
"Giulia", stieß sie nervös hervor.
"Gut, dann bin ich ja hier richtig."
Seine Stimme klang tief, sonor, irgendwie ein wenig fremd.
"Lorenzo? Bist du das?", fragte Giulia daher verunsichert.
"Wer?"
Giulias Herz fing unruhig an zu pochen.
"Du bist doch Lorenzo - oder?"
Alles in ihr zog sich krampfartig zusammen, und ihr versagte beinahe die Stimme. Er hatte die Sache mit dem Bordell doch wohl nicht ernst gemeint und verkaufte sie in dieser Nacht an wildfremde Männer? Das alles war doch hoffentlich nur ein Spiel?
Der Fremde nahm den Umhang ab und warf ihn auf eines der Sitzkissen. "Lorenzo?", krächzte er verächtlich. "Wer ist das? Wie viele Freier wirst du heute Nacht noch bedienen? Ich dachte, ich hätte dich für mich ganz alleine gebucht? Schließlich habe ich deinem Beschützer eine Menge Geld bezahlt! Und du willst sicherlich auch noch etwas haben."
Entsetzen und Abwehr machte sich auf Giulias Gesicht breit. Sie fröstelte. Verstellte Lorenzo seine Stimme, oder hatte Federico sich verkleidet, oder war dies wirklich ein Fremder? Automatisch wich sie zwei Schritte zurück und wurde sich dann bewusst, dass sie nirgendwohin ausweichen konnte. Der einzige Ausgang wurde von diesem Mann versperrt, den sie nicht kannte. Seine dunkelblonden Haare fielen ihm in großen Locken bis auf die Schultern herunter, und seine Lippen waren hinter einem dichten Vollbart verborgen.
Er zog einen ledernen Beutel aus dem bodenlangen Gewand aus wollweißem Leinen, das nur von einem breiten Ledergürtel um die Hüften gehalten wurde und einen überaus üppigen runden Bauch stützte, und warf ihn ihr beinahe verächtlich vor die Füße. Das klingende Geräusch von Münzen war zu hören.
"Hier, das sollte wohl genügen! Und nun zieh dich aus und lass uns endlich beginnen! Schließlich bin ich hergekommen, um mich mit dir zu vergnügen." Er lachte dröhnend. "Also los, zeig mir deinen Körper."
Giulia schwankte zwischen Erheiterung und Angst. Einerseits wirkte der Mann sehr komisch, wie er da in diesem altmodischen Gewand aus der Zeit Pompejis und in einfachen, bis über die Waden hoch geschnürten Sandalen vor ihr stand. Andererseits war sie verunsichert, ob das alles trotz der Aufmachung doch ernst gemeint war. Musste sie nun wirklich ihren Tribut an der kleinen Urlaubsreise entrichten?
"Nun, was ist jetzt? Ich habe mir sagen lassen, du seiest eine Meisterin der Lust! Dann beweis es mir - jetzt!"
Drohend kam er ein paar Schritte näher auf Giulia zu.
Es würde keinen Sinn haben zu schreien. Lorenzo selbst hatte sie hierher gebracht, er würde ihr folglich nicht zu Hilfe eilen. Was hatte er sich nur dabei gedacht, sie in diese missliche Lage zu bringen? Und sie war alles andere als eine Meisterin - obgleich sie in den letzten Wochen viel darüber gelernt hatte, was Männer in Stimmung brachte.
Er wirkte ungeduldig. Giulia war wie erstarrt. Ob es ihr gelingen würde, den Mann auf das Bett zu locken und dann aus dem Raum zu laufen? Zu viele Fragen schossen ihr durch den Kopf und hinderten sie daran, klar nachzudenken.
Schritt um Schritt kam er näher und dann war es auf einmal zu spät, um zu reagieren. Er umarmte sie, hielt sie mit der einen Hand fest, sie fühlte seine zupackenden Finger auf ihrem Gesäß, während seine andere Hand ungeniert und fordernd nach ihrer Brust grapschte, zielstrebig ihre Knospe entdeckte und zwirbelte.
Sie wehrte sich verzweifelt, versuchte ihn von sich zu drücken, presste beide Hände und Unterarme gegen seine Brust. Aber er war viel stärker als sie, schob sie entschlossen rückwärts zum Bett. Sie atmete tief ein und versuchte ihre Kräfte zu bündeln. Freiwillig würde sie sich ihm nicht hingeben, nein, sie würde versuchen, ihn mit dem Knie in seine empfindlichsten Teile zu treten, und wenn es das Letzte war, was sie zur Verteidigung ihrer Ehre unternahm …

© Sira Rabe