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hair saloonLiebe ist eine zeitlose Macht, die einen glücklich oder unglücklich machen kann. Auf jeden Fall ist Liebe voller Spannung, wirbelt das Leben durcheinander und vollbringt Unerwartetes. So erleben es auch meine Protagonisten ...

Geschmeidig

Emilia Jones

Geschmeidig – erotische Tanzgeschichten

Nichts ist verführerischer als die geschmeidigen Bewegungen leidenschaftlicher Tänzer, ob in einer Bar oder einer Disco, beim Salsa oder Ballett. Sie reichen vom ekstatischen Akt eines Liebespaares bis hin zum hemmungslosen One-Night-Stand.
Emilia Jones entführt den Leser mit dieser Kurzgeschichten-Sammlung in eine Tanz-Welt voll prickelnder Erotik.

ISBN 978-3-84235-233-9
BoD, Mai 2011

Leseprobe Veronikas Tanz – 1. Akt

»Tanz für mich«, sagte er und steckte Veronika im selben Moment einen 50-Euro-Schein in den roten Tanga. Seine Hand verweilte viel zu lange an ein und derselben Stelle. Sie spürte, wie seine Fingerspitzen gegen ihre Scham stießen und sich noch weiter vorgewagt hätten, wäre sie nicht zurück gewichen. In einer fließenden Bewegung streckte sie ihren Oberkörper zurück, drückte den Rücken zu einem Bogen durch und ließ die Arme über den Boden gleiten. Staub und glitzerndes Konfetti verfingen sich in den feinen Härchen. Sie klebten auf ihrer Haut wie ein ekelhafter Schmutzfilm.
Veronika schüttelte dieses eigenartige Gefühl schnell ab. Sie zeichnete mit ihren langen, schlanken Beinen einen Kreis in die Luft, bevor sie sich in einer akrobatischen Drehung wieder aufrichtete. In nunmehr sicherer Entfernung schenkte sie dem Mann einen koketten Augenaufschlag. Sie kannte sein Gesicht. Vor ungefähr einem Monat hatte sein Stammgastdasein begonnen. Seitdem suchte er die Bar beinahe jeden Abend auf. Und jedes Mal wartete er auf ihren Auftritt, ehe er sich ganz vorne, am Rande der Bühne, einen Sitzplatz erschlich. Dann griff er in die Innentasche seines Jacketts und zog einen Geldschein hervor. Meist 50 Euro. Veronika hätte sich über seine Großzügigkeit glücklich schätzen sollen. Stattdessen verursachte es in ihr ein unangenehmes Gefühl.
Der Mann schmachtete sie regelrecht an. Seine Faszination für ihre Bewegungen war offensichtlich. Er musste jede einzelne ihrer Gesten tief in sein Bewusstsein aufnehmen. In stiller Ekstase sog er die Luft ein, die nur einen Hauch ihres Geruches zu ihm herüber trug. Seine Augen schlossen sich, während er für ein paar Sekunden den Atem anhielt.
Erst, als ihre Kollegin Jeanette sie von der Seite anstieß, erwachte Veronika wieder aus ihrer Starre. Sie hatte ihr plötzliches Innehalten selbst nicht einmal bemerkt. Verwirrt hob sie den Kopf. Natürlich durfte sie sich nichts anmerken lassen. Langsam streichelte sie mit einer Hand über ihre Brüste, fuhr hinab, bis ihre Finger unter dem Stoff ihres Tangas verschwanden. Mit der anderen Hand griff sie sich in ihr Haar. Sie warf den Kopf in den Nacken, schenkte dem Publikum ein Stöhnen, das in den dröhnenden Lauten der Musik verging.
Veronika kostete den sinnlichen Moment lange aus, ehe sie sich ruckartig daraus löste und in einen anmutigen Tanz verfiel. Ihre Schritte und Drehungen waren perfekt aufeinander abgestimmt. Mit kreisenden Hüften und den wellengleichen Schwingungen ihrer Brüste ließ sie einem jeden männlichen Gast das Wasser im Munde zusammen laufen. Immer schneller und immer geschickter glitten ihre Füße über die spiegelglatte Tanzfläche. Erst, als die Musik verklang, hielt auch Veronika abrupt inne. Sie sank auf die Knie. Wie eine Katze streckte sie sich vor, ihre Haare bauschten auf und schließlich hob sie den Kopf und warf einen wilden Blick in die Menge.
Da saß er noch immer. In unmittelbarer Nähe. Sie hätte die Hand nach ihm ausstrecken und sein Gesicht berühren können. Tatsächlich verspürte sie diesen Wunsch in sich. Aber sie durfte ihm nicht nachgeben!
»Warum nicht?«, fragte er, als könne er ihre Gedanken lesen.
Sie fuhr zusammen.
»Warum hörst du mir nicht zu?«
Sie zog die Stirn kraus. Was erzählte er da? Angeblich wusste er von ihrer klassischen Tanzausbildung. Sie hatte damals kein Engagement bekommen. Deshalb arbeitete sie nun schon seit zwei Jahren in diesem Lokal. Der Verdienst konnte sich sehen lassen. Sie lebte nicht schlecht. Ihre Ausbildung hatte sie darüber vollkommen vergessen.
Der Mann sagte, in der Stadt wäre ein neues Ballett-Musical in Planung, und er kümmere sich um die Besetzung. Ob sie nicht Interesse hätte? Veronika reagierte nicht. Sekunden später spürte sie erneut seine Hand an ihrem Tanga. Dieses Mal drang sie jedoch nicht so weit vor. Sie zog sich gleich wieder zurück.
Nach Feierabend fand Veronika eine Einladung zum Vortanzen unter den Geldscheinen.

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Leseprobe Veronikas Tanz – 2. Akt

Sollte sie ihm trauen? Diesem Fremden? Jeanette war der Überzeugung, dass es sich bei dem Mann eigentlich nicht um einen Fremden handelte. Er tauchte immer wieder in der Bar auf. Sein Gesicht zählte mittlerweile zu einem der bekanntesten dort. Also konnte man ihm in gewisser Weise vertrauen.
Veronika schüttelte darüber nur den Kopf. Sie traute ihm nicht. Allerdings wurde sie von einer grauenhaften Neugier überfallen. Was hatte es mit diesem Vortanzen auf sich?
Marc – ein junger Angestellter der Bar – sicherte ihr schließlich seine Begleitung zu. An seiner Seite suchte sie den Ort auf, den die Einladung ihr wies. Sie hatte mit einem schmuddeligen Hinterhof gerechnet. Einer verkommenen Eingangstür, hinter der sich ein schmieriger Raum verbarg. Dort würden gierige Männeraugen bereits auf die Ankunft ahnungsloser Mädchen warten – die Lust und Geilheit ins Gesicht geschrieben. Nichts von alledem traf zu. Staunend verharrten Veronika und Marc vor dem modernen Gebäude.
»Hier?« Veronika untersuchte den Zettel. »Wirklich hier?«
»Ja. Das ist die Adresse.«
Marc öffnete die Tür, und gemeinsam stiegen sie die Treppenstufen hinauf, bis sie einen Vorraum voller tanz-williger Mädchen erreichten. Plakate der bekanntesten Balletts, Musicals und Revuen zierten die hohen Wände.
Eine Frau in grauem Kostüm und mit streng zurück gekämmten Haaren stellte sich ihnen schließlich in den Weg. Sie hielt Klemmbrett und Stift in den Händen.
»Name?«, fragte sie.
»Veronika Thorbach.«
Die Frau hob eine Augenbraue. »Steht nicht auf der Liste.«
»Hier!« Marc hielt den Papierfetzen hoch. »Wir haben eine Einladung.«
»Ach, Sie sind das.« Seufzend ließ die Frau die Schultern hängen. »Kommen Sie mit. Sie müssen nicht warten.«
Veronika war verwirrt. Hätte Marc sie nicht angeschubst, wäre sie vermutlich wie angewurzelt in dem Vorraum stehen geblieben. Er trieb sie an – vorbei an den missmutig glotzenden Mädchen, die nicht verstehen wollten, warum Veronika eine besondere Behandlung zuteil wurde.
Als sie sein Gesicht entdeckte, traf es sie wie ein Schlag in den Magen. Der Fremde – ihr Stammgast – saß mit einem weiteren Mann und zwei Frauen in einer Reihe und tat sehr geschäftig. Nur ein flüchtiges Lächeln streifte sein Gesicht, als er Veronika erkannte.
»Nun, zeigen Sie, was Sie in Ihrer Ausbildung gelernt haben«, forderte er sie auf.
Veronika fühlte sich kalt erwischt. Sie war nicht vorbereitet. Sie hatte nicht mit dieser Situation gerechnet. Ein Seitenblick zu Marc brachte ihr ein aufmunterndes Nicken ein. Offensichtlich wollte auch er, dass sie vortanzte.
Jemand stellte Musik an. Eine Melodie, deren lang gezogene Töne von fröhlichen Elementen durchbrochen wurden. Es blieb keine Zeit zum Nachdenken. Veronika zog Schuhe und Jacke aus, legte sie einfach achtlos am Boden ab. Dann begann sie zu tanzen.
In Gedanken kehrte sie zurück in die Bar – lediglich mit einem Hauch von Stoff bekleidet. Ihre nackte Haut schimmerte verführerisch in den grellbunten Lichtern, die skurrile Muster auf ihren Leib zeichneten. Sie spürte die Blicke des Fremden auf sich, wie sie langsam jeden Millimeter von ihrem schlanken Hals bis hinunter zu ihrer Scham musterten.
Anmutig drehte sie sich um die eigene Achse, kreiste mit den Hüften und demonstrierte ihre erstaunliche Gelenkigkeit. Ihre innere Hitze - das Feuer – brach regelrecht aus ihr heraus und verschlang alle Anwesenden mit gierigen Zungen. Wie in Trance wirbelte sie ein letztes Mal durch den Raum, ehe sie schwer atmend wieder zum Stehen kam.
Nichts mehr wünschte sie sich in diesem Moment, als nicht nur die Blicke, sondern auch die Hände dieses Fremden auf sich ziehen. Zu fühlen, wie seine feuchten Küsse sie in lustvolles Erbeben versetzten. Ihr wurde schwindelig, als sie ihm nun in die Augen sah.

Am Abend klingelte ihr Telefon. Eine freundliche Frauenstimme teilte ihr mit, dass sie das Engagement hatte. Marc war außer sich vor Freude. Er hätte es von Anfang an gewusst – sagte er. Nur Veronika selbst fühlte sich eher verzweifelt als glücklich.
Ihr Stammgast blieb ein Fremder, dessen Namen sie nicht einmal kannte.

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3. Akt

Die folgenden Wochen quälte sich Veronika durch intensive Trainingsstunden. Am Morgen stand sie auf, tanzte bis zum Abend, um schließlich kraftlos wieder ins Bett zu fallen. Sie aß kaum noch und verlor sämtlichen Kontakt zu der Außenwelt. Ihr Anrufbeantworter quoll über vor Nachrichten, ohne jede Hoffnung darauf, erhört zu werden. Bis es eines Abends an ihrer Tür klopfte. Mehr träumend als wach schleppte sich Veronika durch den Flur, drückte die Klinke hinunter und spähte hinaus. Augenblicklich erstarrte sie! Rückwärts taumelnd suchte sie Halt an der Wand.
Er war es!
Einfach so betrat er ihre Wohnung, schloss die Tür hinter sich. Er musterte sie mit einem freundlich besorgten Gesichtsausdruck. Dann fragte er völlig unvermittelt etwas, worauf sie nur mit einem zaghaften Nicken antworten konnte. »Tanzt du auch Tango?«
Endlich musste sie ihn nicht mehr einen Fremden nennen. Sie erfuhr seinen Namen. Sebastian. Und sie erfuhr, dass er ihr bereits dreimal erfolglos auf den Anrufbeantworter gesprochen hatte. Verschämt schaute sie zu Boden.
Und die ungewohnte Atmosphäre, in die Sebastian sie entführt hatte, verunsicherte sie nur noch mehr. Er nannte es sein Lieblingsrestaurant, in dem sich die feine Gesellschaft tummelte. So viel, wie dort eine einzelne Mahlzeit kostete, gab sie sonst nicht einmal in einer Woche für Lebensmittel aus.
Plötzlich legte sich seine Hand unter ihr Kinn. Er zwang sie mit sanfter Gewalt, ihm in die Augen zu sehen. Dann spürte sie etwas Weiches an ihren Lippen. Sie schmeckte etwas Fruchtiges, süß und mit einem sahnigen Überzug. Ein Stück des köstlichen Desserts, mit dem er sie aufreizend umgarnte. Ein Prickeln entfaltete sich in ihrem Mundraum. Sie wollte seine Lippen schmecken. Seine Haut. Ihn selbst.
Doch zuerst führte er sie nach dem Essen auf die Tanzfläche. Die Musiker spielten einen Tango. Sein Lieblingstanz. Sehr sanft ruhte seine Hand dabei auf ihrer Taille und schob ihren Körper von einem Schritt zum nächsten. Seine Finger glitten ein Stück weiter hinab über ihren Po. Ganz nah drängte er seinen Unterleib an den ihren, bis sie durch den Stoff spüren konnte, wie hart sein Glied war. Mit einem leisen Aufkeuchen presste sie sich gegen ihn. Sie schloss die Augen für einen merkwürdig langen Moment.
Sebastian führte sie noch immer über die Tanzfläche, obwohl Veronika ihre eigenen Bewegungen gar nicht mehr wahrnahm. Da gab es nur noch Lust und Verlangen.

Im Nachhinein hätte sie nicht sagen können, wie sie in den engen Abstellraum des Restaurants gelangt waren. Lediglich die erkundungsfreudigen Finger, brennenden Küsse und heftigen Stöße Sebastians fanden in ihren Gedanken Platz. Er füllte sie so sehr aus, dass sie glaubte, es würde sie zerreißen. Wie lange hatte sie darauf gewartet? Und wie lange hielt es nun an!
Er trieb sie an die Grenzen der Leidenschaft, bis sie einen ekstatischen Höhepunkt erreichte und voller Befriedigung gegen seine Brust sank. Ein phänomenaler Abschluss eines perfekten Tanzes ...

 

 

© Sira Rabe