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hair saloonLiebe ist eine zeitlose Macht, die einen glücklich oder unglücklich machen kann. Auf jeden Fall ist Liebe voller Spannung, wirbelt das Leben durcheinander und vollbringt Unerwartetes. So erleben es auch meine Protagonisten ...

Karpatenfürst

Kim Landers

Karpatenfürst

"Karpatenfürst" ist die Fortsetzung von "Schattenfürst" aus der Serie um den Orden der Dcera.
Karpatenfürst: Erotischer Vampirroman
erschienen im Plaisir D'amour Verlag (Dez. 2010), ISBN 978-3-93828-165-9

Kurzbeschreibung

Osteuropa im 19. Jahrhundert: Anton Drazice kehrt nach Prag zurück, um die Dcera, den Orden der Vampirjägerinnen, auszurotten. Einzig Daniela, ein Mischwesen aus Dcera und Dhampir, kann entkommen. Drazice reist nach Rumänien in die Karpaten, um mit Fürst Valerji cel Bâtrân, Oberhaupt eines der ältesten und mächtigsten Vampirclans, zu paktieren. Als Daniela erfährt, dass Drazice in die Karpaten zu dem Vampirfürst gereist ist, schließt sie sich fahrenden Zigeunerinnen, Bluthuren, an und folgt ihm. Mehrere Vampire, unter ihnen Fürst Valerji, suchen die Bluthuren im Zigeunerlager auf. In Notwehr tötet Daniela einen der Vampire. Getrieben von seinem Verlangen Daniela zu besitzen, droht Valerji, sie und die Zigeunerinnen wegen des Mordes an seinem Gefolgsmann zu töten, wenn Daniela ihm nicht für Liebesdienste zur Verfügung steht. Daniela fühlt sich von dem dunklen Fürsten angezogen und lässt sich willig verführen. Doch Drazice sinnt nach wie vor auf Rache, und auch Valerji würde nicht zögern sie zu töten, wüsste er um Danielas wahre Identität ...

Leseprobe

Daniela wusste nicht, ob es Tag oder Nacht war. Wie lange mochte sie geschlafen haben? Sie fühlte sich völlig zerschlagen. Irgendjemand hatte ihr ein Tablett mit Brot und Milch ins Zimmer gestellt und neue Kerzen angezündet. Anscheinend hatte sie lange geschlafen und das Frühstück verpasst. Ihr Magen knurrte. Sie sprang aus dem Bett und verschlang gierig das Essen. Plötzlich hörte sie eilige Schritte auf dem Flur, Türenschlagen, dann Stille. Wenig später vernahm sie flüsternde Stimmen und dann folgte Gekicher. Waren das Dienstboten? Neugierig lief sie auf Zehenspitzen zur Tür und drückte vorsichtig die Klinke hinunter. Sie war erstaunt, denn die Tür war wider Erwarten nicht abgeschlossen. Das wirkte geradezu wie eine Einladung zur Flucht. Ihr Herz hüpfte vor Freude in der Brust. Daniela öffnete die Tür nur so weit, bis sie hinausspähen konnte. Der Korridor war leer. Durch die hohen Rundfenster sah sie die roten Streifen am Himmel der untergehenden Sonne. Sie musste nicht nur eine Nacht, sondern auch noch einen ganzen Tag geschlafen haben. Wieder ein vergeudeter Tag, den sie besser für eine Flucht hätte nutzen können. Das Gekicher und Geflüster kam vom anderen Ende des Flurs. Eine Tür öffnete sich und ein Mädchen in weißer Korsage und Unterhose schlüpfte hinaus, um hinter der gegenüberliegenden Tür wieder zu verschwinden. Verwundert folgte Daniela diesem seltsamen Schauspiel. Ein anderes Mädchen im Haus? Noch dazu ein Mensch und keine Vampirin? Sie konnte noch nicht lange da sein, sonst hätte sie ihren Geruch längst gewittert. Irgendwie war es ein beruhigendes Gefühl, eine andere Sterbliche hier zu wissen. War sie vielleicht eine Hure? Doch sie roch kein getrocknetes Blut. Sie zuckte zusammen, als feste Tritte auf der Treppe erklangen und über der Brüstung ein dunkler Schopf auftauchte. Es bestand kein Zweifel, wem er gehörte: Valerij cel Bâtrân. Er hatte ihr gerade noch gefehlt. Ihre Hoffnung auf eine Flucht schwand mit seinem Erscheinen. Hastig zog sich Daniela zurück und verharrte mit klopfendem Herzen hinter der Tür. Der Fürst stoppte vor ihrem Zimmer und schien zu lauschen. Ahnte er etwa, dass sie einen neuen Fluchtversuch plante, oder wollte er sich nur vergewissern dass sie noch immer schlief? Ihr wurde ganz anders bei dem Gedanken, er könnte gleich ins Zimmer stürmen. Nach einer Weile hörte sie, wie er weiter den Flur entlanglief, und atmete erleichtert auf. Sie lugte wieder zur Tür hinaus und sah, wie er den Raum betrat, in dem kurz zuvor das Mädchen verschwunden war. Seine Stimme klang gedämpft, und sie konnte seine Worte nicht verstehen, aber der samtige Klang verursachte eine Gänsehaut. Das Mädchen kicherte erneut. Fürchtete die sie sich gar nicht in der Nähe dieses gefährlichen Vampirs? Ein Poltern erklang, wieder Kichern, ein lautes Stöhnen, bis es wieder still wurde. Hatte der Fürst das Mädchen etwa umgebracht und saugte ihr gerade das Blut aus? Aber hätte sie dann nicht vorher geschrien? Und das Stöhnen klang nicht schmerzvoll oder angsterfüllt, sondern im Gegenteil erregt. Danielas Neugier war geweckt.
Sie schlüpfte in den Korridor und schlich zur Tür, hinter der eben noch die Geräusche erklungen waren. Weil es noch immer totenstill war, presste sie ihr Ohr gegen das Türblatt und lauschte. Nichts. Daniela zuckte mit den Achseln und überlegte, ob sie die Tür öffnen sollte, aber dann verwarf sie den Gedanken und kehrte um, als plötzlich hinter ihr die Tür knarrend aufsprang. Sie zuckte zusammen und befürchtete, dem Fürsten gegenüberzustehen, der sie beim Lauschen ertappte. Eine Bestrafung wäre ihr gewiss, und sie wollte gar nicht über die Art nachdenken. Aber niemand erschien, als hätte ein Geist die Tür geöffnet.
Daniela wandte sich wieder um und warf einen Blick in den Raum. Kostbare orientalische Teppiche lagen auf dem steinernen Boden, Tierfelle zierten die Wände. Marmorne Skulpturen, nackt und in anzüglichen Posen bildeten eine Art Gang, der zu einer spanischen Wand führte. Lederbezogene Stühle mit hohen Lehnen standen aufgereiht davor und gewährten Voyeuren einen Blick durch die ausgeschnittenen Ornamente des Paravents auf das dahinterliegende Geschehen. Stoff raschelte und blondes Haar schimmerte durch die Löcher im Paravent.
„Wie möchtest du mich gerne haben?“, fragte eine Mädchenstimme. Daniela war sicher, dass es das Mädchen war, das sie vorhin auf dem Korridor gesehen hatte. Sie verbarg sich hinter der Skulptur eines nackten Mannes und betrachtete den Sockel, auf dem ein Name eingemeißelt worden war. Daniela verdrehte sie Augen, denn ausgerechnet Eros, der Liebesgott, bot ihr Schutz. Als ihr Blick auf den erigierten Phallus der Statue fiel, musste sie schlucken. War das das Liebesnest Valerij cel Bâtrâns? Sie wagte kaum zu atmen, um sich nicht zu verraten. Hatte der Vampir sie bereits gewittert oder war er so trunken vor Lust, dass er sie nicht wahrnahm? Jedenfalls ließ er sich nicht anmerken, dass er von ihrer Gegenwart wusste. Am liebsten wäre Daniela umgedreht, aber ihre unbändige Neugier ließ sie bleiben und verlangte, zuzusehen. Bei der Vorstellung, heimlich seine Liebesspiele anzuschauen, kitzelte es auf ihrer Haut, als liefe eine Armee Käfer darüber. Was würde der Fürst von der Blonden fordern? Daniela beugte sich weiter vor, um mehr sehen zu können. Durch das ovale Ornament erkannte sie das Mädchen, das langsam und mit einem lasziven Lächeln auf den vollen Lippen die Bänder ihrer Korsage öffnete. Sie warf den Kopf in den Nacken und schüttelte ihr Haar aus. Valerij cel Bâtrân lag auf einem Diwan und beobachtete sie amüsiert. Das lüsterne Funkeln in seinen Augen versetzte Daniela einen Stich. Genauso hatte er sie auch angesehen. War das bei jeder Frau so?
„Was hast du denn zu bieten?“, stellte er die Gegenfrage. In seinem Blick lag etwas Lauerndes.
„Alles, was Ihr Euch wünscht, mein Herr.“
„Zieh dich weiter aus. Ich möchte deinen Körper ausgiebig betrachten.“
„Ich tue alles, was Ihr von mir verlangt.“
Die Blonde verhielt sich für Danielas Geschmack etwas zu unterwürfig. Anscheinend auch für den Karpatenfürsten, denn ihr war nicht dieser Anflug von Langeweile in seinem Blick entgangen, der für einen winzigen Moment aufflackerte. Zum Teufel, was hatte dieser Vampir an sich, dass die Frauen sich ihm bereitwillig anboten? Was würde er danach von ihr verlangen? Daniela musste es wissen, um darauf vorbereitet zu sein. Lügnerin, schalt sie sich, du willst wissen, ob er ein guter Liebhaber ist. Ihr wurde heiß unter seinem Blick, obwohl er nicht ihr galt. Du willst, dass er dich genauso betrachtet wie das Mädchen. Jetzt stand die Blonde nackt vor ihm. Daniela konnte nur ihre Kehrseite begutachten, die wirklich sehr ansehnlich war, viel runder und weiblicher als ihre eigene, bemerkte sie neidisch. Wenn der Fürst lieber eine Rubensfigur vorzog, was wollte er dann von ihr? Dich bestrafen. Daniela leckte sich über die trockenen Lippen.
„Dreh dich um“, befahl Valerij. Die Blonde tat, wie ihr geheißen. „Und jetzt bück dich.“
Auch das führte sie aus. Jetzt betrachtete er auch noch ausgiebig die Spalte des Mädchens. Daniela spürte, wie es in ihrer zu pochen begann. Valerij streckte seine Hand aus und berührte das Hinterteil der Blonden. Wie hypnotisiert verfolgte Daniela der Spur seiner schlanken, gepflegten Finger und hielt den Atem an. Sie wusste nur allzu gut, wie sie sich auf der Haut anfühlten. Unglaublich sanft. Sie schloss die Augen und glaubte fast, seine Hand an ihren Backen zu fühlen. Das Pochen in ihrem Schoß wurde immer stärker und ging in ein Ziehen über, das sich bis zu ihren Brüsten erstreckte. Auf einen Wink des Fürsten hin setzte sich das Mädchen vor ihn auf den Diwan und lehnte sich mit dem Rücken gegen seinen wohlgeformten Oberkörper. Er beugte sich vor und seine Lippen fuhren über ihren Oberarm hinauf zur Schulter und wanderten weiter zur Halsbeuge, während seine Hände ihre prallen Brüste umfassten und massierten. Stöhnend wand sie sich in seinen Armen, als er mit der Zungenspitze über ihre Ohrmuschel fuhr und mit einem schmatzenden Geräusch in der Mitte verschwand. Wie gebannt beobachtete Daniela jede seiner Liebkosungen und wagte kaum, zu atmen. Ihr Herz schlug wie verrückt und bei jeder neuen Körperstelle, der er seine Aufmerksamkeit zuwandte, schien es in der Brust zu springen. Ihre Haut brannte an den gleichen Körperstellen wie bei dem Mädchen, als wären Valerijs Lippen darüber gefahren. Das Beobachten erregte sie wie eine reale Berührung.
In ihr loderte das ungezügelte Feuer der Leidenschaft, das nach Befriedigung schrie. Umso mehr störte es sie, nicht diejenige zu sein, der die Zärtlichkeiten galten. Wie geschickt seine Finger die Brustwarzen der Blonden zwirbelten, bis sie knallrot waren.


Zwischen den leicht geöffneten Schenkeln der Blondine schimmerte es bereits feucht, was durch die rasierte Scham gut sichtbar war. Der intensive Geruch der erregten Frau stimulierte Daniela dazu, ihre eigene Hand unter das Hemd zu schieben, um ihren Venushügel mit dem Handballen zu kneten. Verdammt, sie wollte, dass Valerij sie ebenso anfasste wie die andere, um das Feuerwerk der Lust in sich zu spüren und in einem Sinnestaumel zu versinken.
Immer stärker gierte sie nach seinen Streicheleinheiten, sodass ihr Unterleib sich vor Verlangen zusammenzog. Daniela lehnte sich mit dem Rücken an die Säule und widmete sich ihrem eigenen Körper. Das laute und rhythmische Stöhnen des Mädchens verlangte erneut ihre Aufmerksamkeit. Sie war so in ihrer Lust gefangen gewesen, dass sie überdies die beiden fast vergessen hätte.
„Ich überlasse mich Euren geschickten Händen, mein Gebieter“, stieß das Mädchen hervor, bevor sie sich quer über den Schoß des Fürsten legte und ihr Becken anhob.
Der Fürst legte eine Hand unter ihren Hintern und fixierte sie, während er sich vornüberbeugte und seine Zunge um ihren Bauchnabel kreisen ließ. Seine andere Hand schob sich zwischen ihre Schenkel und bearbeitete ihren Schoß sanft. Die Blondine zitterte leicht und rekelte sich, während sie ihre Finger in das Polster krallte. „Ihr versteht es, einer Frau die größte Lust zu bereiten“, sagte sie heiser.
Ja, das verstand er wirklich. Am liebsten wäre Daniela zu ihm gelaufen und hätte die andere von seinem Schoß gestoßen, um sich von ihm verwöhnen zu lassen. Ihre Erregung schwoll so an, dass sie nur mit Mühe den Wunsch unterdrücken konnte, sich dem Gestöhne des Mädchens anzuschließen. Stattdessen biss sie sich fest auf die Lippen, damit ihr kein Laut entwich. Als Valerijs Zungenspiel immer kühner wurde und sich dem Venushügel der Blondine näherte, schnappte Daniela unwillkürlich nach Luft. Es war nur leise, aber sein Kopf ruckte hoch. Er sah zu ihr herüber, und sein Blick ließ keinen Zweifel offen, dass er sich ihrer Gegenwart bewusst war. Auch das noch! Hätte sie sich das nicht gleich denken können? Wie naiv sie war. Daniela schämte sich, weil sie ihn beim Liebesspiel beobachtete und obendrein dabei ertappt worden war. Ihre Wangen glühten. Es blitzte amüsiert in seinen Augen auf, bevor er sich weiter dem ihm dargebotenen Mädchenkörper widmete.
„Ja, macht weiter“, stieß die Blondine hervor, während sie ihre zitternden Beine, soweit es ihr der Diwan erlaubte, spreizte. Das Brennen in Danielas Schoß wurde unerträglich. Der Drang, zu ihm zu laufen, wurde übermächtig. Es quälte sie, nur zuzusehen, anstatt sich selbst seinen Berührungen hinzugeben. Sie stand von Kopf bis Fuß in Flammen und konnte nicht mehr klar denken, weil das Verlangen sie beherrschte.
Immer wieder sah er zwischendurch auf, als wollte er sich vergewissern, dass sie ihn noch immer beobachtete. Sie spürte, wie viel Vergnügen es ihm bereitete, sie zu martern, in dem er eine andere verführte, um zu zeigen, was ihr in diesem Augenblick entging. Sie wollte nicht, dass er diese Frau berührte. Sie wollte, dass er sich überhaupt keiner anderen widmete, sondern sich ihr zuwandte. Plötzlich peinigte sie jeder Kuss, den er dem Mädchen schenkte. Daniela raste vor Eifersucht, ballte die Hände zu Fäusten und wäre am liebsten losgestürmt, um das Lustspiel zu unterbrechen.

 

 


Während sie verzweifelt darum bemüht war, ihre Fassung zurückzugewinnen, näherten sich feste Schritte durch den langen Korridor. Auch das noch! Hatte Valerij mithilfe seiner Gedanken seine Gefährten gerufen, um sie wieder einzusperren? Für eine Flucht war es zu spät, es gab nur den von den Statuen gesäumten Gang zur Tür, wo sie den Vampiren direkt in die Arme laufen würde oder alternativ die Flucht zu Valerij hinter den Paravent. Welch grandiose Aussichten. Der Karpatenfürst würde ihr spöttisch zulächeln und vielleicht sogar von ihr verlangen, an dem Liebesspiel teilzunehmen. Bei diesem Gedanken schüttelte es sie. Nie würde sie einen Mann mit einer anderen teilen.
Zu ihrem Erstaunen nahmen die beiden hereinstürmenden Vampire keine Notiz von ihr, sondern eilten direkt zum Karpatenfürsten. Sie wirkten sehr aufgeregt und begrüßten ihn nur mit einer knappen Verbeugung, bevor der Schmächtige das Wort an seinen Herrn richtete. „Verzeiht die Störung, Durchlaucht, aber unsere Nachricht duldet keinen Aufschub.“Valerij cel Bâtrân fluchte leise, während das Mädchen enttäuscht seufzte.
Daniela konnte nicht verleugnen, wie sehr sie diese Unterbrechung begrüßte, weil das Treiben der beiden ein jähes Ende genommen hatte.
Valerij cel Bâtrâns Miene verdüsterte sich, als er seine Gefährten anblickte.
„Ihr platzt in meine Gemächer ohne Erlaubnis und erwartet, dass ich euch zuhöre?“, donnerte der Fürst los und schubste das Mädchen, das immer noch über seinen Knien hing, von seinem Schoß hinunter. Sie zog einen Schmollmund, hob ihr Mieder auf und bedeckte damit ihre Blöße.
„Bitte, verzeiht …“, stammelte der Vampir mit der Glatze.
„Herrgott, nun kommt zur Sache, damit ich mit meinen Vergnügungen fortfahren kann. Was ist so wichtig, dass es nicht warten kann?“
Valerij stellte sich vor seine beiden Gefährten. Er überragte beide um einen Kopf und mit seinem finsteren Gesichtsausdruck wirkte er nicht nur auf Daniela Respekt einflößend. Die beiden Vampire senkten ihre Blicke und nestelten nervös an ihren Hüten. „Prinz Razvans Rudel hat Bukarest verlassen und nähert sich unserer Grenze. Sie haben einige Dörfer verwüstet und zwingen die Bauern, sich ihnen zu unterwerfen.“
Vampire versetzten die Menschen schon genug in Angst und Schrecken, aber jetzt auch noch Werwölfe? Daniela dachte an ihre Begegnung mit dem Werwolf zurück und die Angst, die sie empfunden hatte, kehrte schlagartig zurück. Bis auf dieses eine Erlebnis besaß sie keinerlei Erfahrung mit Werwölfen, aber das reichte ihr. Weitere Gräueltaten kannte sie nur aus Erzählungen, weshalb es ihr vor einem Kampf mit ihnen grauste. Auch weil sie diese Kreaturen nicht einschätzen konnte.
„Wie konntet ihr das zulassen?“, rief der Karpatenfürst und schnaubte vor Wut. Starr stand er da und fixierte sie, als könnte sein Blick die beiden durchbohren. Die Mienen der Vampire verzerrten sich, und sie griffen sich an die Kehle. Plötzlich gingen sie in die Knie und röchelten. Dellen zeichneten sich an ihren Hälsen ab, als drücke eine unsichtbare Hand ihren Hals zusammen. Das konnte nicht möglich sein und doch sah sie es vor sich.
Valerij cel Bâtrâns geistiges Potenzial übertraf alles, was sie je gesehen hatte. Es war ihm möglich, allein durch die Kraft seiner Gedanken den Vampiren die Kehlen zuzudrücken. Wozu war dieser Vampir noch fähig? Sie fröstelte angesichts der Fähigkeiten, die die eines gewöhnlichen Vampirs überstiegen.
„Hatte ich euch nicht befohlen, die Grenze zu bewachen? Und was habt ihr getan?
Meinen Befehl missachtet. Stattdessen habt ihr eurer Wollust gefrönt. Ihr braucht es gar nicht zu leugnen, denn ich weiß genau, dass ihr wieder bei den Huren gewesen seid. Noch immer haftet an euch der Geruch ihres schalen Bluts.“ Er beugte sich vor und schnupperte wie ein Raubtier, das Witterung aufnahm. Seine Stimme klang tief und verzerrt, wie die eines Dämons und trieb Daniela eiskalte Schauder über den Rücken. Die Augen der Vampire traten hervor, und ihre Fänge schoben sich aus dem Kiefer. Unerwartet entspannten sie sich, denn Valerij cel Bâtrân wandte sich um. Die beiden sackten auf die Knie und rieben sich ihre Hälse.
„Ja“, gaben die beiden keuchend zu.
„Ihr brecht noch heute Nacht auf, um Razvans Gefolge zu stoppen. Solltet ihr euch erneut meinem Befehl widersetzen, lasse ich euch an einem Pfahl in der Sonne schmoren.“
Die Vampire fielen vor ihm auf den Boden. Daniela bewegten die widersprüchlichsten Gefühle. Eben noch war der Fürst ein liebevoller und einfühlsamer Liebhaber gewesen und nun unerbittlich und ohne Gnade gegenüber seinen Gefolgsleuten.
„Mein Herr, das könnt Ihr nicht tun. Wie können wir zu zweit die Werwölfe stoppen?“, fragte der Schmächtige mit heiserer Stimme.
„Das ist doch Wahnsinn, Durchlaucht. Wir haben keine Chance gegen sie. Bitte, habt doch ein Einsehen. Wir bereuen unsere Schwäche zutiefst“, pflichtete der andere seinem Kumpan bei.
Der Schmächtige zitterte, und Daniela glaubte, ein feuchtes Schimmern in seinen Augen zu sehen. Aber Vampire konnten doch nicht weinen, oder? Jedenfalls hatte sie nie dergleichen erlebt. Der andere wirkte wie erstarrt. Nicht einmal ein Fingerglied rührte sich.
Daniela musste zugeben, dass auch sie sich anstelle der Vampire vor Valerij cel Bâtrân gefürchtet hätte, der wie ein Racheengel vor seinen Gefährten stand und auf sie hinabblickte als wären sie Wanzen, die es zu zertreten galt.
„Das hättet ihr euch früher überlegen sollen. Aus meinen Augen!“, brüllte er. „Und wagt es ja nicht, hierher zurückzukehren, ohne den Auftrag erfüllt zu haben. Eine Flucht ist zwecklos, ihr entkommt mir nicht. Und jetzt geht endlich!“
‚Eine Flucht ist zwecklos, ihr entkommt mir nicht‘, diese Worte dröhnten weiter in ihrem Kopf wie ein unheimliches Echo und ließen ihr die eigene Lage wieder bewusst werden.
Gab es wirklich kein Entrinnen? Diese Vorstellung raubte jegliche Hoffnung. Schweigend verließen die Vampire den Raum.
Das Mädchen, das die ganze Zeit gelangweilt auf dem Diwan gesessen und alles beobachtet hatte, glaubte nun, das Liebesspiel wieder fortzusetzen und legte den Arm um den Nacken des Karpatenfürsten. Mit einer unwilligen Geste streifte er ihn ab, dass sie nach hinten fiel. Unter seiner Oberlippe kamen die Spitzen seiner Fangzähne zum Vorschein.
„Es ist besser, wenn du ebenfalls gehst, sonst vergesse ich mich noch und lasse dich meine Wut spüren“, sagte er und fauchte. Die Augen der Blonden weiteten sich vor Entsetzen.
Daniela konnte ihren Angstschweiß riechen. Das rüde Verhalten cel Bâtrâns bestürzte sie. So würde er sie also auch fortstoßen, wenn er in Rage geriet oder genug von ihr hatte. Die Vorstellung versetzte ihr einen Stich, und sie schluckte gegen den plötzlichen Kloß in ihrem Hals an. Die Blonde sprang auf, griff schluchzend nach ihrer Unterwäsche und eilte hinaus in den Korridor. Wie betäubt verharrte Daniela auf der Stelle, obwohl alles in ihr danach drängte, wie die andere aus dem Raum zu flüchten. Der Marmor unter ihren Händen fühlte sich noch eine Nuance kälter an. Jetzt war sie mit ihm allein, ein äußerst beunruhigendes Gefühl, das ihr Herz rasen ließ.
„Ich weiß, dass du dich hinter der Statue versteckst“, hörte sie ihn sagen und schrak zusammen.


Das Blut schien vor Furcht in ihren Adern zu stocken. Sie hatte es sich nicht eingebildet, sondern er war sich ihrer Gegenwart die ganze Zeit über bewusst gewesen. Ihm entging wirklich nichts. Was sollte sie ihm antworten? Dass sie ihn beim Liebesspiel beobachtet und es auch noch genossen hatte? Ihre Wangen brannten vor Scham.
„Komm her“, befahl er mit ruhiger Stimme, aber Daniela zögerte. Was wollte er von ihr?
Glaubte er etwa, mit jedem umspringen zu können, wie er wollte? Sie würde sich jedenfalls nicht so demütig zeigen wie die anderen.
„Damit Ihr Eure Wut an mir auslassen könnt? Da könnt Ihr lange warten.“ Sie erschrak über ihre kühnen Worte, aber manchmal gelang es ihr eben nicht, ihre Zunge im Zaum zu halten.
„Du bist störrischer als ein Maulesel. Komm her.“ Sein Befehl duldete keinen Widerstand.
Aber es bereitete Daniela ein diebisches Vergnügen, sich ihm zu widersetzen. „Muss ich dich dazu zwingen?“ Der Klang seiner Stimme verriet, wie ungehalten er war. Womöglich würde er sie auch mithilfe seiner dämonischen Kräfte erwürgen. Daniela fröstelte und verschränkte die Arme vor der Brust. Er näherte sich ihr langsam, und als er vor ihr stand, streckte er seine Hand aus.
„Komm näher“, bat er jetzt sanfter. Der weiche Tonfall und sein plötzlicher Stimmungswechsel verwirrten Daniela. „Bitte.“ Dieses eine Wort war süßer als Honig.
Daniela fasste sich ein Herz und trat einen Schritt vor, aber sie vermied es, ihn anzusehen. Was würde jetzt geschehen? Ihr Körper spannte sich voll banger Erwartung an. Würde er sie züchtigen? Bloß nicht darüber nachdenken, nicht in Panik geraten, ermahnte sie sich. Ihre Beine zitterten und ihre Hände wurden feucht. Sie zuckte zusammen, als seine Hand ihr Kinn anhob und sie zwang, ihn anzusehen.
„Ich weiß, dass du uns beobachtet hast. Und es hat dich erregt. Du hast dir vorgestellt, an ihrer Stelle auf meinem Schoß zu liegen.“ Sein Daumen strich über ihre Lippen und hinterließ ein Prickeln. Wieder schoss ihr die Schamesröte ins Gesicht. Unter halb geöffneten Lidern sah sie zu ihm auf und erschrak über das wilde Verlangen, das sie in seinen dunklen Augen las. Ihr Körper reagierte mit einem sehnsüchtigen Ziehen, weshalb sie sich insgeheim verfluchte. Aber sie war machtlos gegen seine Anziehungskraft, die sie an nichts anderes mehr denken ließ als das Stillen ihrer Begierde. Ja, er hatte recht, sie hatte sich nichts mehr gewünscht, als von ihm liebkost zu werden. Doch das würde sie niemals zugeben.
„Ich gebe zu, Euch beobachtet zu haben. Doch was ich gesehen habe, hat mich abgestoßen. Eure Liebeskünste beeindrucken mich in keiner Weise.“ Daniela bemühte sich, seinem Blick standzuhalten, obwohl es ihr schwerfiel.
Es zuckte amüsiert um seine Mundwinkel. „Fast hätte ich dir die Lüge abgenommen, wenn dein Körper dich nicht verraten hätte.“ Seine Augen schienen ihren Körper Zentimeter für Zentimeter abzutasten, was ein Kribbeln in ihrem Bauch bewirkte. Langsam näherte sich sein Gesicht ihrem. Wenn sie ihm jetzt keinen Einhalt gebot, würde sie ihm wie das Mädchen in die Arme sinken. Sie durfte es ihm nicht so leicht machen, denn sie wusste, dass er die Jagd liebte.
Wenn sie sich ihm hingab, dann sollte er das niemals vergessen. Hastig wandte sie ihr Gesicht ab. Daniela befürchtete, er würde sich mit Gewalt einen Kuss rauben. Stattdessen ließ er sie gewähren und sah sie voll Erstaunen an. Sicherlich war er eine Abfuhr nicht gewöhnt. Wenn sie doch nur etwas gegen ihr Herzklopfen unternehmen könnte. Seine sinnlichen Lippen kräuselten sich zu einem Lächeln.
„Bildet Euch bloß nicht ein, dass ich voller Wonne wie dieses Mädchen in Eure Arme sinke.“ Und ob sie das täte. Daniela unterdrückte einen Seufzer.
„Höre ich da Eifersucht aus deinen Worten?“ Am liebsten hätte sie ihm entgegen geschrien, dass sie innerlich vor Eifersucht tobte. Doch eher hätte sie sich die Zunge abgebissen, als sich zu verraten. Schuld an allem trugen ihre Unerfahrenheit und der innige Wunsch, die körperliche Liebe zu erleben. Das machte sie empfänglich für seine Annäherungen.
„Eifersüchtig? Wegen Euch? Vielmehr fand ich Euer rohes Verhalten abscheulich.“
Das Lächeln auf seinen Lippen erlosch und seine Augen blickten sie kalt an.
„Was weißt du schon davon, wie man mit seinen Untertanen umgeht? Noch dazu, wenn es sich um Vampire handelt! Nur wenn sie mich fürchten, gehorchen sie mir. Haben sie keinen Respekt vor mir, verbünden sie sich vielleicht mit Razvan.“
Valerij cel Bâtrân besaß jetzt etwas Wildes, Animalisches, das sie nur allzu deutlich daran erinnerte, dass er ein Vampir war. Daniela wusste nicht, was sie antworten sollte. Einerseits konnte sie ihn verstehen, andererseits machte ihr sein Verhalten Angst.
„Ich dachte, die Werwölfe müssten ihr Dasein in Bukarest fristen? Warum rebellieren Sie gegen Euch?“
„Was mag nur in deinem schönen Köpfchen vorgehen? Du schaffst es immer wieder, mich zu überraschen. Eine Sterbliche, die über dunkle Geschöpfe nachdenkt? Vampire und Werwölfe sind euch doch verhasst. Was kümmern dich da unsere Zwistigkeiten?“
Daniela atmete auf, denn sie hatte einen weiteren Zornesausbruch von ihm erwartet. Auch er überraschte sie immer wieder und warf sie in ein Wechselbad der Gefühle. Ja, sie hasste Vampire und Werwölfe, und es war ihr bislang gleichgültig gewesen, welche Fehden sie miteinander austrugen. Doch nun beunruhigte sie der Gedanke, Valerij cel Bâtrâns Herrschaft könnte ein jähes Ende finden, weil sie in diesem Fall ebenfalls in Gefahr geriete, wenn die Werwölfe die Burg stürmten ... Aber damit belog sie sich selbst. Es passte nicht in ihre Vorstellungswelt, dass dieser charismatische und mächtige Fürst in Bedrängnis geraten könnte.
„Mich interessiert alles.“ Vor allem alles, was ihn betraf.
„Du weichst mir aus. Dennoch will ich deine Fragen beantworten. Prinz Razvan fühlt sich als der wahre Karpatenfürst. Er hat es nie wirklich akzeptiert, sich einem Vampir zu beugen. Jetzt will er die Herrschaft an sich reißen.“ Es zuckte um seinen Mund und verriet Daniela, dass der Zorn noch immer tief in ihm schwelte. Valerijs Blick richtete sich in die Ferne.

 

© Sira Rabe