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hair saloonLiebe ist eine zeitlose Macht, die einen glücklich oder unglücklich machen kann. Auf jeden Fall ist Liebe voller Spannung, wirbelt das Leben durcheinander und vollbringt Unerwartetes. So erleben es auch meine Protagonisten ...

Karpatenfürst - Seite 4

Das Blut schien vor Furcht in ihren Adern zu stocken. Sie hatte es sich nicht eingebildet, sondern er war sich ihrer Gegenwart die ganze Zeit über bewusst gewesen. Ihm entging wirklich nichts. Was sollte sie ihm antworten? Dass sie ihn beim Liebesspiel beobachtet und es auch noch genossen hatte? Ihre Wangen brannten vor Scham.
„Komm her“, befahl er mit ruhiger Stimme, aber Daniela zögerte. Was wollte er von ihr?
Glaubte er etwa, mit jedem umspringen zu können, wie er wollte? Sie würde sich jedenfalls nicht so demütig zeigen wie die anderen.
„Damit Ihr Eure Wut an mir auslassen könnt? Da könnt Ihr lange warten.“ Sie erschrak über ihre kühnen Worte, aber manchmal gelang es ihr eben nicht, ihre Zunge im Zaum zu halten.
„Du bist störrischer als ein Maulesel. Komm her.“ Sein Befehl duldete keinen Widerstand.
Aber es bereitete Daniela ein diebisches Vergnügen, sich ihm zu widersetzen. „Muss ich dich dazu zwingen?“ Der Klang seiner Stimme verriet, wie ungehalten er war. Womöglich würde er sie auch mithilfe seiner dämonischen Kräfte erwürgen. Daniela fröstelte und verschränkte die Arme vor der Brust. Er näherte sich ihr langsam, und als er vor ihr stand, streckte er seine Hand aus.
„Komm näher“, bat er jetzt sanfter. Der weiche Tonfall und sein plötzlicher Stimmungswechsel verwirrten Daniela. „Bitte.“ Dieses eine Wort war süßer als Honig.
Daniela fasste sich ein Herz und trat einen Schritt vor, aber sie vermied es, ihn anzusehen. Was würde jetzt geschehen? Ihr Körper spannte sich voll banger Erwartung an. Würde er sie züchtigen? Bloß nicht darüber nachdenken, nicht in Panik geraten, ermahnte sie sich. Ihre Beine zitterten und ihre Hände wurden feucht. Sie zuckte zusammen, als seine Hand ihr Kinn anhob und sie zwang, ihn anzusehen.
„Ich weiß, dass du uns beobachtet hast. Und es hat dich erregt. Du hast dir vorgestellt, an ihrer Stelle auf meinem Schoß zu liegen.“ Sein Daumen strich über ihre Lippen und hinterließ ein Prickeln. Wieder schoss ihr die Schamesröte ins Gesicht. Unter halb geöffneten Lidern sah sie zu ihm auf und erschrak über das wilde Verlangen, das sie in seinen dunklen Augen las. Ihr Körper reagierte mit einem sehnsüchtigen Ziehen, weshalb sie sich insgeheim verfluchte. Aber sie war machtlos gegen seine Anziehungskraft, die sie an nichts anderes mehr denken ließ als das Stillen ihrer Begierde. Ja, er hatte recht, sie hatte sich nichts mehr gewünscht, als von ihm liebkost zu werden. Doch das würde sie niemals zugeben.
„Ich gebe zu, Euch beobachtet zu haben. Doch was ich gesehen habe, hat mich abgestoßen. Eure Liebeskünste beeindrucken mich in keiner Weise.“ Daniela bemühte sich, seinem Blick standzuhalten, obwohl es ihr schwerfiel.
Es zuckte amüsiert um seine Mundwinkel. „Fast hätte ich dir die Lüge abgenommen, wenn dein Körper dich nicht verraten hätte.“ Seine Augen schienen ihren Körper Zentimeter für Zentimeter abzutasten, was ein Kribbeln in ihrem Bauch bewirkte. Langsam näherte sich sein Gesicht ihrem. Wenn sie ihm jetzt keinen Einhalt gebot, würde sie ihm wie das Mädchen in die Arme sinken. Sie durfte es ihm nicht so leicht machen, denn sie wusste, dass er die Jagd liebte.
Wenn sie sich ihm hingab, dann sollte er das niemals vergessen. Hastig wandte sie ihr Gesicht ab. Daniela befürchtete, er würde sich mit Gewalt einen Kuss rauben. Stattdessen ließ er sie gewähren und sah sie voll Erstaunen an. Sicherlich war er eine Abfuhr nicht gewöhnt. Wenn sie doch nur etwas gegen ihr Herzklopfen unternehmen könnte. Seine sinnlichen Lippen kräuselten sich zu einem Lächeln.
„Bildet Euch bloß nicht ein, dass ich voller Wonne wie dieses Mädchen in Eure Arme sinke.“ Und ob sie das täte. Daniela unterdrückte einen Seufzer.
„Höre ich da Eifersucht aus deinen Worten?“ Am liebsten hätte sie ihm entgegen geschrien, dass sie innerlich vor Eifersucht tobte. Doch eher hätte sie sich die Zunge abgebissen, als sich zu verraten. Schuld an allem trugen ihre Unerfahrenheit und der innige Wunsch, die körperliche Liebe zu erleben. Das machte sie empfänglich für seine Annäherungen.
„Eifersüchtig? Wegen Euch? Vielmehr fand ich Euer rohes Verhalten abscheulich.“
Das Lächeln auf seinen Lippen erlosch und seine Augen blickten sie kalt an.
„Was weißt du schon davon, wie man mit seinen Untertanen umgeht? Noch dazu, wenn es sich um Vampire handelt! Nur wenn sie mich fürchten, gehorchen sie mir. Haben sie keinen Respekt vor mir, verbünden sie sich vielleicht mit Razvan.“
Valerij cel Bâtrân besaß jetzt etwas Wildes, Animalisches, das sie nur allzu deutlich daran erinnerte, dass er ein Vampir war. Daniela wusste nicht, was sie antworten sollte. Einerseits konnte sie ihn verstehen, andererseits machte ihr sein Verhalten Angst.
„Ich dachte, die Werwölfe müssten ihr Dasein in Bukarest fristen? Warum rebellieren Sie gegen Euch?“
„Was mag nur in deinem schönen Köpfchen vorgehen? Du schaffst es immer wieder, mich zu überraschen. Eine Sterbliche, die über dunkle Geschöpfe nachdenkt? Vampire und Werwölfe sind euch doch verhasst. Was kümmern dich da unsere Zwistigkeiten?“
Daniela atmete auf, denn sie hatte einen weiteren Zornesausbruch von ihm erwartet. Auch er überraschte sie immer wieder und warf sie in ein Wechselbad der Gefühle. Ja, sie hasste Vampire und Werwölfe, und es war ihr bislang gleichgültig gewesen, welche Fehden sie miteinander austrugen. Doch nun beunruhigte sie der Gedanke, Valerij cel Bâtrâns Herrschaft könnte ein jähes Ende finden, weil sie in diesem Fall ebenfalls in Gefahr geriete, wenn die Werwölfe die Burg stürmten ... Aber damit belog sie sich selbst. Es passte nicht in ihre Vorstellungswelt, dass dieser charismatische und mächtige Fürst in Bedrängnis geraten könnte.
„Mich interessiert alles.“ Vor allem alles, was ihn betraf.
„Du weichst mir aus. Dennoch will ich deine Fragen beantworten. Prinz Razvan fühlt sich als der wahre Karpatenfürst. Er hat es nie wirklich akzeptiert, sich einem Vampir zu beugen. Jetzt will er die Herrschaft an sich reißen.“ Es zuckte um seinen Mund und verriet Daniela, dass der Zorn noch immer tief in ihm schwelte. Valerijs Blick richtete sich in die Ferne.

 

© Sira Rabe