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hair saloonLiebe ist eine zeitlose Macht, die einen glücklich oder unglücklich machen kann. Auf jeden Fall ist Liebe voller Spannung, wirbelt das Leben durcheinander und vollbringt Unerwartetes. So erleben es auch meine Protagonisten ...

Sklavin des Wolfes – Das unbekannte Ende

Sklavin des Wolfes von Louise Laurent 

Inhalt

Druckereibesitzer Wolfram Tiete, genannt Wolf, macht der hübschen Papiervertreterin Mia Berger schon seit einiger Zeit den Hof. Doch sie hat sich in den Kopf gesetzt, Geschäftliches und Privates nicht miteinander zu vermischen. Dabei ist Wolf ein attraktiver Mann mit guten Umgangsformen, bei dem sie jedes Mal ein intensives sexuelles Verlangen spürt.
Wenn Wolf sich etwas in den Kopf gesetzt hat, bekommt er es auch. Als Mia unnachgiebig bleibt, stellt er ihr eine raffinierte Falle. Es bleibt ihr nichts anderes übrig, als drei amourösen Wochenenden zuzustimmen, die sich wesentlich angenehmer und interessanter entwickeln als befürchtet. Sie verliert endgültig ihr Herz an den dominanten, leidenschaftlichen Mann.
Doch zugleich verstärkt sich ihr Verdacht, dass ihren Liebhaber ein düsteres Geheimnis umgibt. Und eine Macke scheint er auch zu haben, denn manchmal knurrt er beim Sex fast so wild wie ein echter Wolf ...

Sklavin des Wolfes

ISBN 978-3-94023-572-5, erschienen April 2009, Sieben-Verlag

Exklusiv: das ursprünglich geplante Schlusskapitel, das dem Lektorat zum Opfer fiel:

Die Offenbarung

Mia räkelte sich. Sie stand auf, ging zum Fenster und öffnete es. Ein vielfältiges Gemisch von Vogelstimmen erfüllte die klare Luft. Nicht mehr lange, dann würde die Sonne aufgehen. Sie kniete sich neben Wolf auf das Bett und betrachtete ihn nachdenklich.
Er seufzte tief, schlug die Augen auf und erwiderte ihren Blick, dann setzte er sich auf, rückte die Kissen zurecht. »Du willst Antworten, nicht wahr? Was willst du als erstes wissen?«
Sie hob unschlüssig die Schultern. »Alles. Alles was ich noch nicht weiß.«
»Das könnte länger dauern.«
Mia machte es sich im Schneidersitz bequem. »Ich habe Zeit. Erzähl.«
Wolf grinste. »Nicht, wenn du mir so aufreizende Einblicke gewährst.«
Sie schlug spielerisch mit einer Hand nach ihm und legte sich ein Kissen über den Schoß. »Fang an.«
»Eigentlich ist alles ganz einfach. Ich habe dir ja schon gesagt, bei Mondschein und in Kombination mit Sex erwacht das Tier in mir. Selten ist die Verwandlung aber vollkommen.«
»Je mehr Erregung und je näher am Vollmond, desto mehr Wolf?«, riet Mia.
Er nickte und senkte den Blick. Wie sollte er ihr erklären, dass dies nicht alles war?
»Wolf? Was ist los – du verschweigst mir etwas. Gestern hast du auch schon so eine Andeutung gemacht. Raus damit. So schlimm kann es doch gar nicht sein.« Sie streckte ihre Hand nach ihm aus, streichelte ihm über den Arm, hielt dann seine Hand fest. »Bitte.«
»Ich suche schon viele Jahrzehnte nach einer Gefährtin wie dir, nach meiner Alphawölfin. Du bist zwar ein Mensch – aber – also ich bin Siebzehnhundertvierunddreißig geboren. Ich kann mit dir kein Kind zeugen, es sei denn …« Seine Worte hatten sich schier überschlagen, so hastig hatte er sie herausgestoßen, aber nun erstarb seine Stimme.
»Moment mal, willst du mir so ganz nebenbei mitteilen, dass du nicht achtunddreißig bist, sondern –?« Mia japste. »Und wie alt kannst du werden?«
»Wenn ich vorsichtig bin und Gewehren aus dem Weg gehe, mich bei Vollmond einschließe, wenigstens doppelt so alt.« Wolf zog entschuldigend die Schultern hoch.
Ein wildes Puzzle neuer Fragen purzelte durch Mias Kopf. »Entschuldige, aber das habe ich noch nicht ganz verstanden. Ich dachte …« Sie verstummte unter Wolfs Blick.
»Betrachte es als Selektionsverfahren der Evolution. Wir können uns nur bei Vollmond mit Unseresgleichen vermehren, wenn wir für einige Stunden völlig unser Menschsein verlieren, wenn wir ganz und gar zum Tier werden.«
Ein Gefühl von Kälte ließ Mia erstarren. So hatte sie sich das nicht vorgestellt. Der Gedanke an eine gemeinsame Zukunft schien in weite Ferne zu rücken. Sie schluckte. »Das heißt also, bei Vollmond braucht es keine sexuelle Stimulation, damit du dich verwandelst, vollkommen verwandelst?«
Wolf nickte. »In allen anderen Nächten liegt es an mir, ob ich es zulasse und dem Verlangen nachgebe. Mein Bewusstsein bleibt dasselbe und obwohl ich es genieße, auch mal auf allen Vieren durch den Wald zu rennen und meine Kräfte zu verausgaben – noch dazu, wenn ich so durcheinander bin wie heute –, achte ich darauf, Menschen aus dem Weg zu gehen.«
Mia senkte den Kopf. »Und wie soll es nun mit uns beiden weitergehen? Du wirst mich locker überleben und gemeinsame Kinder werden wir auch nicht haben.« Die Euphorie, die als Folge ihrer sexuellen Vereinigung zurückgeblieben war, sank auf den Nullpunkt und machte einer breiten Frustration Platz. »Gibt es denn keine Lösung?« Ihr fiel wieder ein, dass er eine eigenartige Andeutung gemacht hatte. »Es gibt doch eine, oder?«
Wolf schnaubte. »Bitte betrachte das, was ich dir jetzt erzähle, nicht als Druckmittel. Wenn du dich dagegen entscheidest, kann ich das verstehen. Ich möchte auf jeden Fall mit dir zusammenleben, egal wie du dich entscheidest.« Er sah sie ernst an, als erwarte er eine Zustimmung, aber Mias Zunge schien an ihrem Gaumen festgeklebt. Sie nickte verwirrt.
Wolf erzählte ihr, wie sie eine von seiner Art werden und gemeinsam mit ihm altern und Kinder zeugen könnte, verschwieg ihr aber auch nicht, dass sie sich dann einmal im Monat bei Vollmond mit ihm in sein sicheres Kellerversteck zurückziehen müssten. Seine Offenbarung war schockierend.
»Ich will keine Entscheidung von dir, nicht heute, nicht morgen. Denk in Ruhe darüber nach.«

In den folgenden Wochen rührten sie das Thema nicht mehr an. Aber es stand wie eine Wand zwischen ihnen. Mia dachte ständig darüber nach. Diese Entscheidung musste sie tatsächlich alleine treffen. Weder ihre Mutter noch Lea würden ihr zu diesem Schritt raten. Im Gegenteil, vermutlich würden beide sie in eine Irrenanstalt einweisen lassen, wenn sie wüssten, über was Mia nachdachte oder wenn sie ihnen erzählte, wer Wolfram Tiete wirklich war. Das würde ihr kein Mensch glauben. Sie musste sich darüber im Klaren sein, wenn sie es tun würde, würde sie alle Menschen in ihrem Umfeld überleben, eines Tages ihre Identität und ihren Wohnort gegen einen anderen tauschen müssen, um nicht durch das extrem langsame Altern und das ungewöhnlich lange Leben aufzufallen …

Inzwischen war es Winter geworden. Mia hatte ihre Wohnung aufgelöst und war mit ihren Sachen bei Wolf eingezogen. Lea hatte ihr hilfsbereit beim Packen der Kartons geholfen. Sie würden sich wenigstens einmal im Monat zu einem Weiberabend treffen, hatten sie sich hoch und heilig bei einem Glas Wein versprochen. Obwohl Lea den Auszug ihrer Freundin bedauerte, freute sie sich auch mit ihr, dass sie nun glücklich war.
Mia und Wolf versuchten ein annähernd normales und unauffälliges Leben zu führen. Sie verließen morgens gemeinsam das Haus und gingen ihrer jeweiligen Arbeit nach. Sie liebten sich und glaubten, sie seien glücklich, so wie es lief. Aber Wolfs Geheimnis stand einmal im Monat zwischen ihnen. Mia konnte sich nicht vorstellen, seine Verwandlung anzunehmen. Obwohl sie diese nun häufiger live erlebte und ihn in seiner Werwolfgestalt sehr sexy fand, hatte sie Angst vor diesem letzten, endgültigen Schritt.

Es war drei Tage vor Weihnachten. Mia war auf dem Weg zur Galerie ihrer Mutter. Sie hatte versprochen, ihr beim Dekorieren für die Vernissage zu helfen, die ausgerechnet am Vormittag des Heiligen Abend stattfinden sollte. Eine Schnapsidee in Mias Augen, denn wer sollte da schon Zeit und Lust haben, zu einer Vernissage zu gehen. Aber sie hütete sich, das auszusprechen. Die Türglocke kündigte mit lautem Bimmeln ihr Eintreten an.
»Mia, bist du das?«
»Jaahaa, ich zieh nur meinen Mantel aus. Wo bist du?«
»Hier hinten, ich schmücke gerade den Weihnachtsbaum.«
Aha, dachte Mia. Welch eine Verschwendung. Sie warf ihre Sachen über einen Stuhl und ging um die Ecke, wo ihre Mutter auf einer Leiter stand und tatsächlich dabei war, den Weihnachtsbaum zu dekorieren, der mit seinen geschätzten drei Metern fast bis unter die Decke reichte.
»Hallo Mama. Wieso versteckst du den Baum hier hinten?«
»Reich mir mal die Schachtel mit den Kugeln.« Mias Mutter deutete auf einen Tisch, der von Schachteln übersät war. Aber nur eine lag offen ganz oben. »Weil ich den Platz vorne für den Empfang brauche, Prosecco und so, du weißt schon.«
Die Stimme ihrer Mutter klang ziemlich gereizt und Mia beschloss, lieber keine provozierenden Fragen zu stellen.
»Du kannst schon mal vorne die Bilder abhängen und einpacken, du weißt ja, wie das geht. Dann können wir anschließend zusammen die neuen aufhängen.«
»Ja Chefin, wird gemacht«, grinste Mia.
Über eine Stunde war sie alleine damit beschäftigt, die Bilder der letzten Ausstellung vorsichtig abzuhängen und für den Transport sorgfältig in Luftpolsterfolie und Pappe zu verpacken.
»Hier.« Mias Mutter reichte ihr ein Glas Orangensaft. »Du bist ja schon fast fertig. Dann packe ich mal die neuen Bilder aus, du wirst sehen, ganz prachtvolle …« Es folgte eine ausschweifende Lobpreisung der künstlerischen Werke, die als nächstes ausgestellt werden sollten und Mia ließ alles schweigend über sich ergehen.
Zwei Stunden später betrachtete ihre Mutter mit kritischem Blick die Wände, und lächelte dann zum ersten Mal an diesem Abend. »Prima. Wenn ich dich nicht hätte.«
Mia ließ sich erschöpft auf einen Stuhl sinken und pustete eine vorwitzige Haarsträhne weg, die ihr ins Gesicht hing. »Hauptsache, du bist zufrieden, Mama.«
»Aber natürlich. Komm, lass uns noch etwas Essen gehen. Du musst doch völlig ausgehungert sein. Und geredet hast du auch fast nichts.«
»Na ja, du lässt mich auch gar nicht zu Wort kommen.«
»Also komm, der Italiener um die Ecke hat noch auf.«
»Ich weiß nicht, Wolf wartet sicher schon auf mich.«
»Also ich mag ihn ja, meinen Schwiegersohn in spe –«
»Mama!«
»– aber das heißt doch nicht, dass du jeden Abend mit ihm verbringen musst. Soll ich ihn anrufen, dass ich dich noch ein bisschen länger beanspruche?«
Mia brummte. »Untersteh dich, das mach ich schon selber. Habe ich dir eigentlich gesagt, dass ich dich von ihm grüßen – und küssen soll?« Sie rümpfte die Nase.
Ihre Mutter lächelte zufrieden. »Nein, aber jetzt. Und gib ihm den Kuss bitte zurück.«
Mia seufzte. »Das werde ich.«
»Ich hoffe doch, dass es dabei bleibt und wir am ersten Feiertag zusammen Essen gehen – nachdem ihr beiden mir so schmählich zur Vernissage abgesagt habt?«
» Ja Mama. Du weißt doch, ich mag dieses Gewühle bei Vernissagen nicht. Diese Wichtigtuerei von Leuten, die eh keine Ahnung haben, aber meinen, sie müssten überall ihren Senf dazu geben.«
»Mia!«
»Ach ist doch wahr. Diese selbsternannten Kunstkenner.« Sie holte das Handy aus der Tasche und wählte Wolfs Mobilfunknummer. Als sich der Anrufbeantworter meldete, rief sie zuhause an. »Er geht nicht ran. Merkwürdig. Muss ja ein sehr wichtiger Termin sein, wenn er nicht gestört sein will und nicht einmal ans Handy geht.«
»Nun komm, du siehst ihn ja nachher. Lass uns etwas Essen gehen. Sonst macht er mir noch Vorwürfe, ich würde dich hungern lassen.« Mias Mutter stand bereits angezogen und mit dem Ladenschlüssel in der Hand an der Tür.
Schulterzuckend schnappte Mia sich ihre Sachen und folgte ihr hinaus in die abendliche Kälte. Ein paar Schneeflocken wirbelten über die Straßen.
Auf dem Heimweg fiel Mia ein anderer Grund ein, warum Wolf das Telefon nicht abgenommen hatte. Verflixt. Sie hatte noch am Morgen daran gedacht, dass in der nächsten Nacht Vollmond sein könnte, obwohl er nichts gesagt hatte. Im Stress des Tages hatte sie diese Möglichkeit völlig verdrängt. Sie schaute zum Himmel, aber es war nichts zu sehen. Dichte Bewölkung. Keine Sterne, kein Mond zu erkennen. Wann war denn nun Vollmond, heute oder erst morgen?
Voller Ungeduld fuhr sie nach Hause. Das Haus lag fast im Dunkeln. Nur der Gartenweg war beidseits von einer Lichterkette gesäumt, die kleine Reflektionen auf dem frisch gefallenen Schnee zauberte.
»Wolf?« Mia warf Handschuhe und Schlüsselbund auf die Kommode im Eingangsbereich, riss sich die Schuhe herunter und ließ Mantel, Schal und Mütze einfach auf den Boden fallen. »Wolf bist du da?«
Sie rannte ins Wohnzimmer. Die Stehlampe war eingeschaltet und an der Stange hing mit Klebestreifen befestigt ein Zettel. Ein rotes Herz war darauf gemalt. »Liebste Prinzessin, ich konnte nicht länger warten. Bis bald. Wolf«
»Arrrr.« Mia stieß einen kurzen Schrei aus und stampfte wütend über sich selbst auf den Fußboden. Sie hatte ihn verpasst. Ihre verdammte Unentschlossenheit. Wenn sie noch länger zögerte, würden Jahre vergehen und sie war älter geworden und … Oh Göttin, warum hast du mich für dieses Schicksal auserwählt? Sie lief die alte Holztreppe zum Keller hinunter. Manchmal war es gar nicht gut, wenn man Zeit zum Nachdenken und Entscheiden hatte. Sie sollte einfach handeln.
Wie kam sie denn jetzt hinein? Alles wirkte wie in einem normalen Hobbykeller. Mia suchte den Schalter, mit dem sich die doppelte Wand verschob. Wolf hatte ihr alles erklärt, aber sie hatte es nicht sehen wollen. Allein seine Erzählung von dem kahlen Raum hatte sie abgestoßen. Es blieb ihre Entscheidung, ob sie ihm folgen wollte oder nicht.
Bitterkeit stieg in ihr hoch. Ich will ihn, ich will ihn. Sie kämpfte gegen die Tränen an, wischte sich mit dem Handrücken über die Augen. Es hatte keinen Sinn, nach ihm zu rufen. Von innen öffnen ließ sich die Tür nicht. Er hatte ihr nicht genau sagen können, was geschehen würde und das war zum Teil der Grund für ihre Entschlusslosigkeit. All sein Wissen, was die Verwandlung einer Geliebten in eine treue Gefährtin, in eine echte Werwölfin betraf, beruhte auf Theorie. Seit Jahrhunderten hätte es niemand mehr gewagt, diesen Schritt zu gehen. Zumindest hatte er das behauptet und es blieb ihr nichts anderes übrig, als ihm zu glauben.
Mia stand an der Treppe, einen Fuß auf der untersten Stufe. Was mache ich hier bloß? Sie hatte Angst. Nein, sie durfte nicht vor ihrer Zukunft davon laufen, auch nicht vor der Ungewissheit. Ungeduldig zerrte sie sich Strumpfhose und Slip herunter, warf beides auf die Stufen vor ihr.
Ihre Hand zitterte, als sie wieder vor der Tür stand und die Zahlen eintippte, die Wolf ihr genannt hatte. Nichts. Die Tür bewegte sich nicht. Ein kehliger Laut der Enttäuschung machte sich Luft. Ließ sie sich etwa auch von außen nicht mehr öffnen, wenn die Zeitschaltuhr bereits lief? Das wäre eine Katastrophe. Sie war gerade dabei, nicht weiter über das nachzudenken, was sie vorhatte, aber wenn sie bis zum nächsten Vollmond warten musste, würde sie bestimmt wieder den Mut verlieren.
»Nein, nein.« Sie hämmerte verzweifelt an die Tür, lehnte ihren Kopf dagegen. Denk nach, Mia, denk nach. Vielleicht hat er den Geheimcode geändert – oder du hast dich vertippt.
Sie gab dieselben Zahlen noch einmal ein. Nichts. Seinen Geburtstag. Nichts. Ihren eigenen. Nichts. Welche Zahlen könnten noch von Bedeutung für ihn sein? Denk nach Mia, denk nach. Wo kamen noch Zahlen vor, die er sich gut merken konnte – das Nummernschild seines Autos. Nicht den Geburtstag eingeben, sondern das Geburtsjahr. Das war es. Eins – Sieben – Drei – Vier. Siebzehnhundertvierunddreißig. Himmel, er ist über zweihundert Jahre alt. Aber das weißt du doch, du dumme Gans.
Mia hielt den Atem an, während sie die Zahlen eintippte. Zischend bewegte sich die Tür zur Seite und Mias Herz begann vor Aufregung laut zu hämmern.
Wolf stand mitten im Raum, fast vollständig verwandelt. Noch auf Menschenbeinen, aber es würde nicht mehr lange dauern, dann war auch das vorbei. Ein wunderschönes großes Tier mit dichtem schwarzem Fell und bernsteingelben Augen. Die Deckenlampe strahlte ihn an, ein paar einzelne graue Haare glänzten wie Silberfäden. Seine Ohren waren nach vorne gerichtet und er knurrte leise vor Überraschung.
»Was machst du hier?«
Mia zwang sich zu lächeln. »Das weißt du doch.«
»Mia – nicht, geh, noch ist es nicht zu spät.« Seine Stimme klang fremd, verzerrt und schleppend. Der Blick in seinen Augen war ebenfalls verändert. Unstet und wild. Bereits in wenigen Sekunden würde er wahrscheinlich die Kontrolle über sein Bewusstsein verlieren. Speichel tropfte von seinen Lefzen, als er ihren Geruch aufnahm.
»Willst du mich etwa abweisen?«
»Ich will dich zu nichts zwingen, Prinzessin, dich nicht ausnutzen«, zischte er und zeigte seine langen Fangzähne.
Wie schön er war. Mias Herz drohte zu zerspringen. Sie war so aufgeregt wie noch nie in ihrem Leben. Er versuchte vernünftiger zu sein als sie und doch wünschte er sich bestimmt nichts sehnlicher, als dass sie bliebe und zu einer von seiner Art wurde. Sonst hätte er ihr nicht erzählt, was zu tun war. Nichts würde sie mehr voneinander trennen, wenn dieser Schritt vollzogen war. Es gab keinen Weg zurück, nur den nach vorne.
»Hast du keine Angst?«, fragte er, als sie nichts sagte, sondern ihn nur ansah.
»Doch, nein, ich – nein, ich habe keine Angst. Nicht vor dir. Ich bin ein wenig unsicher und verwirrt, ja.«
Auf einmal wurde sie ganz ruhig. Als es ihr gelang, ihren Blick von ihm zu lösen, bemerkte sie, dass der Raum ganz anders aussah, als er erzählt hatte. Die Wände waren Rot gestrichen, mit einem rundum laufenden Band schwarzer Wolfssilhouetten. Der Boden bestand aus einem schwarzen Teppich mit silbernen Sternen und überall lagen große rote Polster verstreut. Es war eigentlich ziemlich gemütlich, verglichen mit dem, was sie erwartet hatte. Anstelle einer kalten unpersönlichen Kellerleuchte waren kleine Strahler in einer dunkelblau gestrichenen Deckenabhängung versenkt, die ein angenehmes warmes Licht verströmten. Wie romantisch.
»Ich habe für dich die Sterne vom Himmel geholt«, flüsterte Wolf. »Aber ich habe nicht zu hoffen gewagt, dass du sie jemals entgegen nehmen würdest.«
Sie sah ihm wieder in seine ungewöhnlich strahlenden Augen und kam näher. »Ich will, dass du mich liebst, bis ich vergesse, was heute Nacht mit mir geschehen wird.«
Sein Keuchen erschütterte die Stille des Raumes, hallte von den Wänden wieder. Sein Körper zitterte vor Anspannung.
»Du willst mich und ich will, dass du mich nimmst und zu deiner Gefährtin machst.«
»Ich bin mir nicht sicher, ob ich in der Stimmung dazu bin.«
Mia kicherte. »Ach ja? Schau dich doch an.«
Sein Geschlecht sprach eine eigene Sprache, die er unmöglich leugnen konnte. Sie drehte sich schwungvoll um und drückte den Schalter neben der Tür, die daraufhin leise zischend zuging. Dann zog sie den Reißverschluss am Rücken auf und ließ sie ihr Kleid auf den Boden fallen. Langsam wandte sie sich zu ihm um und streichelte sich selbst über die Brüste, über den Bauch, hinunter zu ihrem Schoß, spreizte lasziv die Beine. Wie gut, dass sie sich schon vorher halb ausgezogen hatte.
»Bist du jetzt vielleicht in der Stimmung?«, flüsterte sie.
»Schon eher«, erwiderte er mit einem tiefen lüsternen Knurren.
Sie ging zu ihm, presste ihre Brüste in sein Brustfell und rieb mit ihrer Handfläche über sein Glied. Er gab ein lautes Schnaufen von sich, pustete ihr seinen Atem ins Gesicht, dann drückte er sie auf einmal machtvoll an sich und zog sie mit sich hinunter auf die Kissen. Er schob ihre Hand beiseite, presste sich zwischen ihre Beine und begann zärtlich ihren Saft aufzulecken. Mia ließ sich entzückt zurücksinken. Seine raue Zunge leckte aufregend sinnlich über ihren Venushügel, über ihren Bauch, die Innenseite ihrer Schenkel. Sie hatte erwartet, dass er wild sein und über sie herfallen würde, aber mit seinen zarten Liebkosungen überwältigte er sie auf eine Weise, die ihr den Atem nahm. Ein herrliches Kribbeln jagte durch ihren Körper und sie ahnte, dass sie das nicht lange aushalten würde.
Plötzlich war er über ihr, schaute sie aus seinen blitzenden Augen auffordernd an und knurrte mit einem tiefen Bass. »Bist du sicher, dass du das willst? Wirst du es auch nicht bereuen?«
Mia schüttelte den Kopf. »Nimm mich.«
»Du bist unglaublich.« Er presste seine Nase erneut zwischen ihre Schenkel. Sie war feucht und heiß. Warum nur bereitete ihr der Gedanke Lust, dass er wild sein würde. Er könnte ihr wehtun, die Kontrolle verlieren, war ihr das bewusst? »Deine Haut und deine Scham verströmen einen Duft, bei dem mein Schwanz jedes Mal hart wird. Ich muss dich nur riechen.« Er stöhnte auf. »Oh bei der Mondgöttin, weißt du eigentlich, wie sehr ich dich begehre?«
»Ich ahne es. Warum gibst du deinem Verlangen nicht nach?« Sie zitterte vor Erregung. Plötzlich verströmte er eine Wolke sexuellen Begehrens, die ihr tief in die Nase stieg, alle ihre Sinne vernebelte. Wie in jener Nacht, in der sie ihn am Bett angebunden hatte. Von Sekunde zu Sekunde schritt seine Verwandlung voran. Ein Schauer raste durch ihren Körper, eine Mischung aus Verlangen, Liebe und – Angst vor ihrer eigenen Courage. Aber auf eine unerklärliche Art fand sie ihn auch jetzt noch schön und begehrenswert.
»Ich habe Angst um dich. Vielleicht wirst du mich hassen für das, was geschieht und …«
»Pscht«, sie legte ihre Hand auf seine Schnauze. »Es ist meine eigene Entscheidung. Ich will nicht alt werden und zusehen, wie du jung und stark bleibst. Ich will mit dir leben. Und ich will ein Kind von dir.« Sie strich ihm sanft über seinen Kopf und er stieß ein Heulen aus.
»Wird es weh tun?«, fragte sie zaghaft. Aber für ein Zurück war es ohnehin zu spät.
»Nein, die … Verwandlung … nicht weh. Uhhhh … hinterher nicht erinnern, auuuhuuu … geschehen …«
Mia presste sich an ihn, schlang ihre Arme um seinen Körper und er leckte ihren Hals, zwickte sanft ihre Haut. Sie löste sich von ihm, schlüpfte unter ihm weg und kniete vor ihm nieder. Im selben Moment war er über ihr, mit einem martialischen Knurren. Seine Krallen landeten hart auf ihrem Rücken und sie schrie unter dem Schmerz auf. Als er von hinten in sie eindrang, war es weniger sanft als sonst, er nahm sie im wahrsten des Sinne des Wortes, aber sie war so feucht und erregt, dass sie in diesem Augenblick fast schon einen Höhepunkt erlebte.
Sein animalisches tiefes Knurren hallte von den Wänden wieder, während er zustieß und ihre Vagina in einem harten Ritt eroberte. Dabei entströmte seinen Poren ein Geruch, den sie noch nie an ihm wahrgenommen hatte. Trotzdem wusste sie instinktiv, was es war. Er würde sie an sich binden, sie zu seiner Gefährtin der Nacht machen, zu seinem Alphaweib. Jeder andere Rüde würde es riechen und keiner würde es wagen, sie jemals anzurühren oder ihren Anspruch als Leitwölfin in Frage zu stellen.
Mia bäumte sich wild unter ihm auf, sein Verlangen übertrug sich auf sie. Er biss sie in den Nacken und sie schrie vor Schmerz auf, doch er gab nicht nach, hatte sie völlig unter Kontrolle, diktierte ihr seinen Rhythmus und auf unerklärliche Weise hielt sie ihm entgegen. Ihr Innerstes krampfte sich zuckend um ihn. Er wollte sich ganz aus ihr herausziehen, doch es ging nicht. Stattdessen stieß er sich immer heftiger in sie hinein, presste ihren Oberkörper mit der Kraft seiner Pfoten nach unten. Ihr Rücken würde am nächsten Morgen völlig zerkratzt aussehen. Doch sie beklagte sich nicht, ihr tiefes Keuchen war voller Lust. Dann ergoss er sich in starken Wellen wieder und wieder in sie und auf einmal brach er über ihr zusammen und begrub sie schwer unter sich, ohne die Verbindung zu verlieren.
Verdammt, irgendetwas geschah mit ihrem Körper, eine Art Zucken, Strecken, Aufbäumen. Sie bekam keine Luft mehr, es schnürte ihr den Hals zu und es war nur wenig beruhigend, ihn zu riechen und in sich zu spüren. Seine Erektion war größer denn je, aber sie fühlte keinen Schmerz dabei. Ihr gesamtes Empfinden bestand aus Lust und Verlangen, als wäre sie ausgehungert nach Sex. Der Raum war völlig von seinem Geruch erfüllt, einem erregenden herben Duft. Männlichkeit, Wildheit, Fremdartigkeit umgab sie, hüllte sie vollkommen ein, nahm ihren Geist mit sich fort. Sie riss den Mund auf, um besser atmen zu können, aber es half nichts. Ihre Kiefer schmerzten, ihre Knochen knackten und in ihr war ein Hunger, den sie überhaupt nicht einzuordnen verstand. Instinktiv knurrte und jaulte sie, und als er ihr mit lautem Heulen antwortete, schnappte sie rückwärts, traf seine Lefze, schmeckte sein Blut und vergaß, wer sie eigentlich war.

Erst Stunden später wachte Mia in Wolfs Armen auf. Sie blinzelte ihn an, tauschte einen ersten tiefen und innigen Blick mit ihrem Gefährten. Völlig in dem Bewusstsein, in dieser einzigartigen Nacht neu erschaffen worden zu sein. Nichts würde sein wie zuvor und doch würde sich nicht alles ändern, denn nichts würde sie mehr voneinander trennen. Sie zerplatzte fast vor Glück.

© Sira Rabe